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nachläſſigen and zu Grunde richten, ſo ſagte ich: Wahrlich, der bezahlt zu viel für ſeine Pfeife.
Fand ich einen Geizhalz, der ſich ſelbſt jede Gemächlichkeit des Lebens verſagte, auf das Vergnügen, Andern Gutes zu thun, und die Achtung ſeiner Mitbürger gänzlich Verzicht that, der die Freuden wohlwollender Freundſchaft dem Durſt, Schäze zu häufen, aufopferte.— Armer Mann, ſagte ich, fürwahr, du bezahlſt zu viel für deine Pfeife.
Traf ich auf einen Freudenjäger, der blos um ſinnlicher Genüſſe willen jede löbliche Verbeſſerung ſeines Geiſtes oder Vermögens verſäumte, ſo dachte ich: Betrogener Mann, du ſchaffſt dir ſelbſt Schmerz ſtatt Vergnügen: du gibſt zu viel für deine Pfeife.
Seh' ich einen Menſchen, der an ſchönen Kleidern, ſchönen Möbeln, ſchöner Equipage, Alles über ſein Vermögen hängt, für die er Schulden macht, und ſeine Laufbahn im Gefängniſſe beſchließt— ach! ſage ich dann, der hat
ſeine Pfeife theuer, ſehr theuer bezahlt! Wenn ich ein ſchönes, ſanftes Madchen an einen bösartigen Drachen von
Manne verheirathet ſehe, ſo ſage ich:
Jammer und Schade, daß ſie
ſo viel für eine Pfeife gegeben hat!
Kurz, ich glaube, zu bemerken, daß die Menſchen ſelbſt ſich den größten Theil ihrer Uebel durch die falſche Schäzung des Werthes der Dinge und da— durch zuziehen, daß ſie immer zu viel für ihre Pfeifen geben.
Theater.
Peſth(7. April). Am 4. d. M. gab man zum Erſtenmale:„Vater und Sohn“, Charaktergemälde in 4 Ak- ten.— Da, wie es ſcheint, dieſes Pro⸗ dukt auf der hieſigen Bühne zuerſt das Licht der Welt erblikte, ſo erlauben wir uns diesmal eine etwas umſtänd⸗ lichere Auseinanderſezung. Die Hand— lung iſt kurzgefaßt folgende: Lord Oran⸗ more, ein reicher Partikulier, iſt, we⸗ gen einiger ihn in ſeiner Jugend be—⸗ troffenen mißlichen Zufälle, nament⸗ lich wegen eines unheilvollen Bruder— zwiſtes und einer vermeintlichen Un⸗ treue ſelner einſtigen Gattin, zum Schwermüthigen und Miſanthropen ge— worden. Faſt nichts kann ihm ſeine
Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
(Aus Franklins Schriften.)
düſtere Stimmung und ſein Mißtrauen gegen das Menſchengeſchlecht mildern. Nur die liebenswürdige Tochter des Sir Geoffry Locke, die mit ihrem Vater in dem, dem Schloſſe des Lords nahe ge— legenen Badeorte anweſend iſt, macht einen Eindruk auf ſein Herz, ſo daß er, troz ſeines vorgerükten Alters, Abſichten auf ihre Hand an den Tag legt. Allein Miß Jemina hat ihre Neigung dem Sir Charles Darcy, ei— nem jungen fremden Edelmann, der in Geſellſchaft eines alten Kapitäns auch den Vadeort beſuchte, zugewendet. — Der Vater des Mädchens war der Verbindung nicht entgegen, weil der junge Mann in ſeinem äußern Beneh⸗ men ſich ſeines vollen Beifalls erfreu⸗ te. Aber ſchon der Kapitän, ſein Be⸗ gleiter, erwekte einigen Verdacht hin⸗


