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teiniſchen des Bellarlni überſezt, von gemeinfaßlichem Nuzen.— Weil eben von Künſten die Rede, ſo bemerke ich, daß die„Theaterzei tung“ die be⸗ ſte, trefflichſte Parodie auf dergleichen Produkte brachte, unter dem Titel: „Kunſt in ſechs Lektionen ein brauch⸗ barer Rezenſent zu werden.“ Wirklich, eine ſehr zeitgemäße und durch und durch meiſterhafte Parodie, welche das Publikum ſehr anſprach.— Kreutzer hat eine neue Oper in drei Akten ge- ſchrieben:„die Höhle bei Wowerly“(2), nach Oehlenſchläger von Ott. Sie wird im Joſephſtädter Theater eben einſtu— dirt; die Hauptparthien ſind in den Händen und Kehlen der Dem. Eder, einer fleißigen und begabten Künſtjün⸗ gerin, und den H. H. Mellinger, Pa⸗ dewieth, Kunz und Schmiedt. Wenn man nach den Proben einzelner Muſik⸗ ſtüke urtheilen darf, ſo bringt dieſe Oper ſehr ſchöne Melodien. Beſonders ſchön iſt ein Duett zwiſchen Sopran und Bariton. Möge dieſer Oper, deren Erſcheinen hier zum erſten Male ange— kündigt wird, gleich freundlicher Sus⸗ ceß zu Theil werden, wie dem liebli— chen„Nachtlager“!— Ich leſe häufig in ausländiſchen Blättern, wie man über einige öſterreichiſche Dichter mit den Waffen des Spottes zu Felde zieht und habe es mir gelobt, bei nächſter guter Gelegenheit eine Jagd auf poe— tiſche Genies des Auslandes zu eröffnen und luſtige Stükchen von Zeit zu Zeit mitzutheilen. Ich gebe diesmal zwei Proben und frage, welcher Wiener Poet hat ſolche Verſe geſchrieben?— In den„Liedern der Liebe“(Meißen, 1857) lieſt man Folgendes: Sez' her dich zur Linde,
Hier wehen die Winde.
Der Mond ſcheint ſo ſchwülig,
Recht mollig und kühlig. Herr Arno Rebenſtein in Berlin ſingt:
Ich liebe dich ſo wunderbar, Wie ich es niemals dächte;
Ich liebe dich, daß ich vor Wut) Mich manchmal prügeln möchte! Thun Sie dies, werther Herr Re benſtein! vielleicht kühlt ſich dann Ih⸗ re Leibes- und Verſe-Wuth. Das nenn? ich eine kannibaliſche Lyrik; die Na⸗ turdichter in Kamtſchatka mögen's nicht ärger treiben. Ad vocem Naturdichter! Bei uns taucht ſchon wieder ein neuer Dichter dieſer Art auf, verſpricht zwar nach dem Vorhandenen kein Hiller oder Poſch zu werden; vielleicht wird aber er mit der Zeit bei klaſſiſchen Studien eindritter„öſterreich. Goethe“ z denn die Bildungsſchule, unter deren Schuz er ſich befindet, iſt eine vortreffliche.— Der als Lyriker wie als Balladendich⸗ ter höchſt ſchäzbare J. N. Vogl gibt nuu auch„Novellen“ heraus. Die Thä⸗ tigkeit dieſes Autors iſt eine ſehr er⸗ freuliche und man lernt dieſen oft falſch beurtheilten Schriftſteller aus jedem neuen Erzeugniſſe ſeiner Muſe mehr achten und lieben.— Nehmen Sie, mein Hr. Redakteur, für diesmal mit dem Wenigen vorlieb; die Charwoche brachte mir auch Theaterfaſten und das zu meinem Vergnügen. Wenn die Kunſttempel erſchloſſen werden, von jenen Tempeln und ihrer Kunſt
mehr, mehr! Sincerus. Leipzig. Herr G. Schleſier erhebt in einem Artikel in Nr. 11 u. 12 der„neuen Leipziger Zeitſchrift für Muſik“ die Sängerin Dem. Agnes Sche⸗ beſt über die Cat alani! Ungeheures Lob iſt recht, aber mit Moderation! l. Buntes aus Paris. Die diesjährigen Fahrten von Paris nach Longchamps in der Charwoche ſind durch Kälte, Schnee und Sturm unangenehm geſtört worden. Man ſah nur wenig Equipagen und Reiter, und noch we— niger Fußgänger.— Ein neuer Beweis von der Gefahr, Kinder allein zu laſ—
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