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werden ließ!— Als Vorſpiel zu einem dieſer Konzerte ward die Oper„Jo⸗ hann von Paris“(bedeutend abgekürzt) gegeben. Dem. Bayan gab die Prinzeſſin als zweiten theabraliſchen Verſuch. Ob— wohl dieſe junge, hoffnungsvolle Anfän— gerin mehr Befangenheit als das Er— ſtemal verrieth, ſo konnte man ſich doch genügend von ihrem Talente und ih⸗ rem Berufe überzeugen. Sie erhielt aufmunternden Beifall.— Dem. Wal— ter gab den Pogen allerliebſt und ſang den Trobadour recht lobenswerth. Hr. Oberhoffer(Seneſchall) war trefflich u. Hr. Beer(Johann) lobenswerth, be— ſonders im Spiele.— Die zweite Vor— ſtellung, die Rappo im Theater gab, zog ein ungemein zahlreiches Publi— kum an; das Haus war gedrängt voll; ein Beweis, welchen Ruf ſeine erſte verbreitete. Auch diesmal leiſtete er Koloſſales, noch nicht Geſehenes. Die Produktion mit der Windmühle erin— nert an die fabelhafte Zeit der Gigan— ten und Centauren. Wahrlich eine ſol⸗ che Windmühle außerhalb des Theaters, könnte Jedermann zum Donquixotis— mus verleiten. An dem wunderbaren Spiele mit den eiſernen Kugeln kann man ſich nicht ſatt ſehen. Sowohl Rappo, als ſein achtjähriger Sohn
und Hr. Sam. Motty erwarben ſich
den ſtürmiſchſten Beifall. Hag.
Wien(31. März). Geſtern brachte das Burgtheater zwei intereſſante Neu— igkeiten zum Vortheile der Regiſſeurs, und zwar„Camoens“, dramatiſches Ge— dicht in einem Aufzuge von Halm und die„Vormundſchaft“, Preisluſtſpiel in 2 Akten von Gerle und Uffo Horn.— Camoens, der Sänger der Luſtade, deſ— ſen Leben trüb und umwölkt von Qua- len bis in ſein Greiſenalter dahinfloß, wo der Körper Greis ward, und der Seele Schwingen gelähmt zu ſein ſchie— nen, lebt im Hoſpital. Ern alter Ju⸗ gendgenoße beſucht den gebeugten Sän⸗
ger, und nachdem Beibe ſich ihres Le⸗ bens biographiſche Bilder vorgehalten, welche effektvoll kontraſtiren, da dem Dichter ein geldgieriger Krämer als Jugendgenoſſe gegenüber ſteht, rükt der Krämer mit der Klage hervor: ſeinen Sohn hätte mit Einemmale die Krankheit, Poeſie zu treiben u. Verſe zu drechſeln erfaßt und er bittet Ca⸗ möens, deſſen Aeußeres einen ſehr ärm⸗ lichen Tempelhof ſeiner innern göttli⸗ chen Poeſie bildet, daß er ſeinen Sohn von jener Leidenſchaft heile. Camoens ſoll dem jungen Krämerſohn als Schrekbild dienen und er verſpricht dem Krämer, ſeinen Sohn zu heilen.— Vald darauf kommt der Junge wirklich. Camoens be— ginnt auf ihn einzuwirken; da ent⸗ ſtrömt Vegeiſterung dem Knaben in Geſtalt des Wortes; er bekennt, die Luſiade ſei es, welche ihm das Him⸗ melreich der Poeſie gewieſen, Camoens nur ſei ſein Vorbild, welchem er nach— ſtrebe— und Camoens, erkennend den innern poetiſchen Werth des Knaben, legt ſeine Hand auf das Haupt deſſelben uns ſchwört ihm zu: er werde beſtimmt ein großer Dichter werden. Der Knabe iſt außer ſich vor Entzüken. Camoens aber ein morſcher Stamm, dem Liebe, Luſt und Glük nur als Traumbilder ſich gezeigt, ſtürzt langſam in ſich ſelbſt zuſammen und ſtirbt.— Aus dem mit— getheilten Inhalt der allenfallſigen Handlung möge ſich Jedermann ſelbſt die Grundidee hervorſuchen, welche der Dichter in ſein dramatiſches Gedicht, welches aus vier Auftritten beſteht und eine Stunde dauert, hineingelegt; ich wäre in Verlegenheit, müßte ich ſie in Kürze hier entwikeln. Was mir klar wurde iſt, daß dieſes dramati—⸗ ſche Gedicht eine Art Viographie des Camoens bildet, und den Schlußſtein ſeines Lebens darſtellt.— Ob eine Perſon, die eine Stunde lang im Arm⸗ ſtuhle vor Schwäche ruht, mehr todt


