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für die Geſchikteſten, für gute Gymnaſten und Karabiniers. Unter ſelnen Ge— noſſen befindet ſich ein, ſeiner würdiger Stellvertreter, der Schauſpieler Wil— helm Karpfen aus Regensburg(2). Seine Bande beſteht aus 500(1?) gut be⸗ waffneten und an den Kampf gewöhnten jungen Leuten. Er hält einen Kaſſier, der ſeine Leute ordentlich auszahlt und einen Wundarzt, der die Bleſſirten heilt. Man ſpricht, daß er den Vorſaz hatte, auch Reiterei ſeiner Bande an— zuſchließen. Außer ihm gehorchen ſeine Genoſſen mehreren Unter-Kapitänen, worunter ſich der deſertirte Soldat Pisla(Pista) befindet. Man kann dem So— bri keine Mordthat vorwerfen, nur daß er einmal einen ſeiner Genoſſen des wegen erſchoß, weil er einen armen Bauer ausgeraubt hatte.“
So weit Galignani's Messenger. Da auch in deutſchen Blättern viele Erdichtungen über Sobri erzählt wurden, und da der„Spiegel“ auch in Oeſter— reich und Deutſchland ſtark geleſen wird, ſo theile ich hier folgende zuver— läſſige Daten aus Sobri's Leben, aus guten Quellen mit.
Der wahre Name Sobri's(Sohri, Schobri oder Schubri iſt ein angenommener Name) iſt Pap Jözsi(Joſeph Pap). Er iſt der Sohn eines Schwein hirten zu Endröd in der Eiſenburger Geſpanſchaft, der in dem Rufe eines ehrlichen frommen Mannes ſteht, welchen man täglich bald in der Kirche zu Valtavar, bald zwiſchen Gebüſchen im Széplaker Walde, wo er die Schweinheerde hütet, beten ſieht. Dieſer erzog auch ſeinen Sohn Joſeph, als er Hirtenjunge war, zur Gottesfurcht und betete fleißig mit ihm: aber der hübſche, brünette, ſchlanke Burſche gerieth in die Geſellſchaft liederlicher Weibsbilder und ſchlech— ter Kameraden, und wollte gepuzt gekleidet einher gehen, um den Weibsper— ſonen zu gefallen, und ſich in Schenk häuſern in Geſellſchaft ſeiner Kameraden mit Trinken und Tanzen zu unterhalten. Da er aber weder die ſchmuke Hir— tenkleidung, noch den von Schenkwirthen auf Kredit genommenen Wein und Branntwein bezahlen konnte, verlegte er ſich auf den Schwei nedieb⸗ ſtahl und wurde deswegen zweimal feſtgenommen. Kaum war er ſchon zum Zweitenmal befreit, als er, nachdem er während des Zwiſchenraums zwiſchen der erſten und zweiten Gefangenſchaft durch den Umgang mit lie— derlichen Weibsbildern ganz verdorben, mit einem andern Hirtenjungen, Namens Fenyes Pista(Stephan Fenyes) im Mai 1855 den Kolompoſcher Schä— fer ausraubte. Sein Kamerad wurde eingefangen, er ſelbſt aber entfloh und war ſeit dieſer Zeit ein Vagabond, der vom Stehlen und Rauben lebte. Zu— erſt irrte er mit einem deſertirten Soldaten herum, der zu Megyer bei einem Schäfer erſchoſſen wurde. Bald darauf verband er ſich mit mehreren Räubern in eine Bande und wurde ihr Oberhaupt. Zu dieſen gehörte vorzüglich Franz Milfait und ein anderer ſehr gewandter und pfiffiger Räuber, der die ſechs Gymnaſtial-Klaſſen abſolvirt und als Bedienter bei verſchiedenen Herrſchaften ſich einige Bildung erworben hatte, weswegen er Sobri's Srkretär, Ver trauter und Rathgeber wurde„). Eine Zeitlang übten ſie ihre Naͤubereien ſehr kek aus, in der Eiſenburger, Szalader, Weßprimer, Raaber und Oeden— burger Geſpanſchaft. Als ihnen aber die Komitats-Jurisdiktionen und ganze
) Auch Milfait, deſſen Rolle bereits ausgespielt iſt(er wurde im Dezember gefangen, und in Wesprim ſtandrechtlich zumGalgen verurtheilt u. auf⸗ gehangen), hatte Schulunterricht genoſſen, und konnte ſchrei ben. Ry.


