Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
209
 
Einzelbild herunterladen

piegel

Kunst, Eleganz und Mode.

Leßuler Saar g.

27. Mittwoch, 5. April. 1837.

Der ungariſche Räuberhauptmann Sobri von den Fran⸗ zoſen und Englaͤndern zu einem Romanenheld erhoben.

(Beſchluß.

Im verfloſſenen Juni kämpfte Sobri verzweifelt mit einer Diviſton von zu Szedegin einquartirten Huſaren. Sobri wurde verwundet und von zwei Huſaren verfolgt, welchen er jedoch glüklich entging. Unzählige Anekdoten erzählt man von die ſem Räuberanführer; einige bezeugen ſeine außerordentli che Verwegenheit und zugleich ſeine Geiſtesgegenwart. Die folgende verdient vielleicht Erwähnung. Vor Kurzem wurde er mit drei ſeiner Genoſſen in ei nem Meierhof nahe bei Kheſtell(ſoll wahrſcheinlich Keſzthely heißen) einge ſchloſſen, welchen 40 Kavalleriſten umgaben, und einzig und allein ſeine bei ſpielloſe Kühnheit befreite ihn und die Seinigen, daß er diesmal nicht in die Hände der Juſtiz fiel. Da er ſich überliſtet ſah, befahl er ſeinen Kameraden, einen Theil ihrer Kleider und die Piſtolen wegzuwerfen. Er that daſſelbe, und nun liefen alle vier mit Laternen zum äußern Thore des Meierhofs. Da forderte Sobri, als ein zum Hauſe gehöriger, die Soldaten auf, daß ſie ſich zum innern Thore zurükziehen möchten, denn ſo würden ſie das Entweichen der Räuber hindern. Dieſe Liſt gelang; der Räuberhauptmann entwich mit ſeinen Kameraden und erreichte ohne Gefährde den nächſten Wald. Sobri's Kameraden ſind nicht gemeine Räuber, oder hungrige Bauern und Bettler, ſondern von Verbrechen, nicht von Armuth, gedrükte Menſchen. Seine Vande nimmt täglich zu, da ſie durch Vosnyaken, Panduren, ſiebenbürgiſche und andere Städte-Einwohner vermehrt wird), die ſeit Jahrhunderten durch ihre Geneigtheit zu Ausſchweifungen bekannt ſind(2). Der Anführer Sobri hält ſtets die ſtrengſte Manns zucht bei ſeiner Bande, und hat Prämien ausgeſezt

) Dies iſt durchaus nicht der Fall. Ry.