Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
207
 
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ret mit Federn, als Hauskoeffüre für ein ſchlichtes Bürgermädchen in Sevilla! Ihre Geſtalt nahm ſich recht freundlich aus und verband ſich gut mit einer unbefangenen Haltung. Die Stimme beſizt einen großen Fond von Klang, Biegſamkeit und Wohllaut. Der Um fang iſt bedeutend, jedoch treten die Mitteltöne und die Tiefe ungleich be günſtigter hervor. Hier entwikelt ſie ihre meiſte Kraft und wirkt angenehm wohlthuend auf das Gehör. Was aber dieſe Sängerin ganz beſonders bevor zugt, iſt ihre vortreffliche Methode, die offenbar das echteſte Gepräge der italieniſchen Schule an ſich trägt. Da für ſprechen die ſo klug gewählten und vortheilhaft verwendeten Rouladen und Coloraturen, ſo wie überhaupt die an ihr unverkennbare Kunſt, von ihren Mitteln den gehörigen Gebrauch zu machen. Dazu kommt noch eine für ei ne Operiſtin gewiß ſeltene glükliche Darſtellungsgabe. Sie verband Naivi tät mit ſchalk hafter Munterkeit auf eine recht befriedigende Weiſe. Schon ihre Cavatine, die ſie in italieniſcher Sprache ſang, war, beſonders in der Introduktion, ein Sieg. Die Einlagen im 2. Akte waren überraſchend. Das Duett mit Figaro(Hr. Oberhoffer) im 1. Akte hörten wir, mit Ausnahme von der unvergeßlichen Carl, hier noch nie ſo gut. Der Beifall des Pu⸗ blikums war eklatant. Ste ward meh⸗ rere Mal gerufen. So freuen wir uns denn bald die weitere Vekanntſchaft die⸗ ſer geſchäzten Sängerin zu machen. Hr. Oberhoffer iſt bekanntlich ein treff⸗ licher Figaro. Hr. Lang gab diesmal den Baſilio und zwar komiſcher als ſeine Vorgänger. Doch wiſſen wir nicht, woher ſich die Tradition ſchreibt, daß gerade alle Baſilios ſolch ein erbärmli ches Exemplar von Regenſchirm produ ziren, der von Einigen noch dazu im Zimmer aufgeſpaaut wird! Die Zofe

gab diesmal eine Dem. Nyery, die eine plaſtiſche Geſtalt und eine kraftvolle Stimme produzirte. Geſtern gab die herrliche Künſtlerfamilie Le wy aus Wien ein Konzert im Theater. Darü⸗ ber nächſtens. Hag.

Mignon Zeitung

Paris. Für die ärmere Klaſſe der hier lebenden Engländer wird von ihren wohlhabenden Landsleuten ein Ball veranſtaltet, der ſehr glänzend zu werden verſpricht. Das Billet ko- ſtet 20 Frks. Lady Granville und die Gräfin Flahault ſtehen an der Spize, und eine junge engliſche Herzogin an rangirt eine Quadrille, wobei die Ko ſtüme ganz übereinſtimmend ſein ſollen.

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Mailand. Hier ſpricht man von der Heirath des Grafen Zichy, Ma jors und Adjutanten bei dem komman⸗ direnden General Grafen Radetzky und Schwagers des Fürſten Metternich, mit Miß Charlotte Straham, Tochter des verſtorbenen Admirals. Sie erhält von ihrem Oheim, dem Marquis von Hert ford, eine Mitgift von 200,000 Pfund Sterling..

Brüſſel. Ein Kutſcher, der ſich in großer Noth befand, machte ſich einer neuen Art von Vetriegerei ſchul⸗ dig. Er ließ in den Zeitungen bekannt machen, er habe bei der lezten Güter ausſpielung in Wien ein Schloß ge wonnen, daß über eine Million Gul⸗ den werth ſei. Sogleich fanden ſich Freunde in der Wohnung des Glük⸗

lichen ein, Schneider, Handwerker und Kaufleute aller Art boten ihm ihre Dienſte an, und der Kutſcher ſah ſich mit ſeiner Familie bald elegant ge⸗ kleidet und gut genährt. Unter den Bethörten ſoll ſich auch ein Notar be finden, der dem Kutſcher eine anſehnli⸗ che Summe vorſchoß und ihn wegen des Verkaufs des Schloſſes de. nach Wien