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beglelten ſollte. Jezt ſoll der Kutſcher mit ſeiner Familie Brüſſel verlaſſen haben, aber von der Polizei verfolgt werden. 255
Local-Zeitung.
Carl Rappo. Atleth, Herkules, Jongleur, Gymnaſtiker, oder wer du auch immer biſt, auf alle Fälle ein Wundermann! Wir haben viele derartige Künſtler in Peſth unter allen Geſtalten und Benennun⸗ gen geſehen und bewundert, aber ſolch ein vollendeter Virtuoſe kam uns noch nicht vor. Am 28. März produzirte ſich Rappo mit ſeinem achtjährigen Sohne und dem chineſi— ſchen Künſtler Samuel Motty aus London im Theater, und ſo gerne wir ſonſt derglei— chen Vorſtellungen von der Thaltla geweihtem Tempel verbannt ſehen möchten, ſo freudig ſtimmen wir der diesmaligen Ausnahme bei. Das Außerordentliche dieſer Leiſtung hat ſchon eine äſthetiſche Farbe. Hr. Rappo entwikelt eine ganze Encyklopädie von Gymnaſtik und ſteigert ſeine Kunſt bis zur höchſten Potenz. Was Körperkraft, Gewandtheit und Equili— ber nur zu leiſten vermögen, ſehen wir hier in überraſchendem Vereine. Die kleinen Spie— le mit den Stäbchen, den Beken, den gol— denen Aepfeln de. werden hier bis zur höch— ſten Vollendung getrieben, und gewähren im Vereine der ſtattlichen und männlich-edeln Haltung Rappos eine intereſſante Augenweide. „Der horizontale Atlethenſtand“, ſo wie die „herkuliſchen Tändeleien“ erregen das höchſte Staunen, wenn nicht Grauen der Zuſchauer. Aber unſerer Meinung nach erreicht das Spiel mit den eiſernen Kanonenkugeln(von 20, 30 und 40 Pfund Schwere) den Kulmi⸗ natlonspunkt dieſer Produktionen. Jedermann müßte an der möglichen Ausführung dieſes koloſſalen Kunſtſtütes zweifeln, wenn ihm nicht die eigenen Augen die vollſte Gewißheit ver— ſchafften. Man weiß nicht, was man hier mehr, ob die ungemein, faſt unbegreifliche und unfehlbare Geſchiklichkeit oder die über—⸗ menſchliche, eiſerne Kraft anzuſtaunen hat.
Eben ſo war das lezte Stük, der ſogenannte „Luftmarſch“, eine unerhörte Piece und von der frappanteſten Wirkung.— Ganz in die Fußtapfen ſeines Vaters ſcheint der kleine Rappo treten zu wollen und die ſchweren At— lethen⸗Werke des zarten Kindes erwekten in hohem Grade Theilnahme.— Aber eine ganz beſondere Zugabe iſt Hr. Samuel Motty, der im chineſiſchen Koſtüme die erſtaunenswürdig⸗ ſten gymnaſtiſchen Künſte produzirt Bei dem iſt der berühmte Kniſchnigg nicht in die Schule gegangen, ſonſt wäre er gegen ſeinen Meiſter kein Stümper geblieben. Hr. Motty hat der— geſtalt ſeinen Körper und ſeine Gliedmaſſen in ſeiner Gewalt, daß er darüber volle Herr— ſchaft ausübt. Nicht nur iſt Alles wie von Wachs an ihm, ſondern Alles ſcheint ganz willkürlich, ohne Beihilfe eines andern Kör— pertheiles von ſelbſt zu operiren. Die Attitü⸗ den ſind ſo kühn, ſo gewagt, ſo unmbg— lich möchten wir ſagen, und doch ſo mei— ſterhaft ausgeführt!— Kurzum Alles, was an dieſem Abende geboten wurde, war groß— artig. Nur die Muſik wollte mit den Produk— tionen auf der Bühne nicht gleichen Schritt halten, da die Herren Muſiker mehr Augen für das Seltſame als für ihre Noten hatten. Nun im Grunde iſt ihnen auch dies nicht ſehr zu verargen.— Der Beifall des Publikums war ſtürmiſch. Hr. Rappo ward etwa zwölfmal, der kleine Rappo zweimal u. Hr. Motty drei⸗ mal gerufen. F.
Zur Nachricht.
Wiederholt erklären wir, daß wir von anonymen und pfeudonymen Zuſchriften und Beiträgen keine Rotiz nehmen.— Der aller- dings Beachtung verdienende Aufſaz von Dr. Marius iſt dem Dr. Notus zur Verfügung übergeben worden. Red.
Modenbild. Nr. 12.
(Paris, 16. März). Neueſte Früh- lingsanzüge für Herren. Gehrok, Frak und Pantalons aus der berühmten Werkſtätte des
Herrn Humann.
Halbſähriger Preis 4 fl., mit freler Poſtzuſendung 5 fl. Auf Velinpapter mit erſten Kupferabdrſlken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.— Man pränumerirt im Kommiſſtonsamt zu Ofen(Feſtung, außerhalb
des Waſſerthors), in C. Millers u. F. Tomalas Kunſthandlungen zu Peſih und bei allen k. k. Poſlämtern.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


