Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
206
 
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Mann hat dafür auf dieſe Stiefel Veſchlag gelegt; die Apfelſinen waren fünf Silbergroſchen werth, ſollte man die Stiefel nach dem Werthe deſſen be zahlen, der ſie trug, man müßte ſie mit Goldſtüken füllen, und dann würden ſie vielleicht auch noch zu wenig wiegen. Ich bin der Freund, an deſſen Bette der Edle entſchlummerte. Ich habe in meinem Leben über ſo viel dummes Zeug geweint, daß ich meine Thränen faſt für unwürdig halte, ſein Andenken zu feiern.

Nun möchte ich noch etwas ausbieten, und nichts dafür fordern, als Ge hör und Folgſamkeit: ich möchte Ihnen meine eigenen Lebenserfahrungen bie ten! doch ich weiß, daß dieſe nicht ſo leicht an den Mann kommen; jeder Ein

zelne muß ſie ſelbſt theuer erkaufen.

Der Mann ſprang vom Tiſche,

grüßte die Verſammelten, welche ihn

verwundert und ergriffen anſtaunten, und begab ſich aus dem Zimmer. Die Auktion begann, und jeder kaufte nach ſeiner damit und

Thorheit.

Anelchen Urtheile. Wegehniene

Theater.

Peſth(51. März). Am Oſter⸗

montage ward unſere Vühne mit dem

Schauſpiele:König Richard vor Pa läſtina, nach Walter Scott, von Lem bert, eröffnet. Wird ein Schauſpiel nach einem Romane bearbeitet, ſo laſſen ſich unter zehn Fällen neun annehmen, wo entweder der Roman oder das Schau ſpiel nicht?s taugt. Denn es liegt in der Natur der Sache, daß Stoff, Idee, Charaktere c. des erſtern mit den Erfor derniſſen des lezt. nicht übereinſtimmen können; und wird hier eine zwe mä⸗ ßige Aenderung vorgenommen, ſo iſt es nicht mehr der Romanendichter, ſon⸗ dern der Bearbeiter, der das dramatiſch gerechte Skelet bietet, es ſei denn, daß der Roman von ſolch verfehlter Erfin dung und Ausführung wäre, daß er auch bequem einem Drama zur Grund lage dienen könnte. Vei dieſem Ro⸗ mandrama trat der ganz gewöhnliche Fall ein. Wir haben hier noch zu ſagen, daß ein Scott, der Romanendichter iſt,

von dem nur Treffliches vorauszuſezen

ſei, und daß ein Hr. Lembert, der Dramatiker iſt, und man kann ſich von dem Werth dieſer Arbeit einen leicht faßlichen Begriff machen. Troz der gu ten Darſtellung unſerer vorzüglüch⸗ ſten Schauſpieler erhielt das Werk nur eine kalte Aufnahme, und es wird hoffentlich für immer von dem Reper toir verſchwinden. Tags darauf er⸗ ſchien der berühmte Atleth Rappo auf unſerer Bühne und erhielt großen Bei fall(ſiehe die Lokalzeitung). Vorher gab man Bäuerles noch immer unter haltende Poſſe:der Freund in der Noth, worin Hr. Lang(Zwekerl), Mad. Huth(Schwäbin) und Dem. Schmidt (Lenchen) trefflich ſpielten. Am 29. März:der Varbier von Sevilla. Mad. Pohl-Beiſteiner gab die Noſina als neuengagirtes Mitglied. Wir rufen der neuen Sängerin ein herzli⸗ ches Willkommen entgegen. Schon ihre Erſcheinung war lieblicher als viele der früheren Roſinas. Ihr Anzug war recht nett und ſehr entſprechend; ſie wählte nicht, wie Andere, ein Atlas bar⸗