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ärgerlich bei Seite, ſo wird es erſt unnüz, während wir aus jedem Dinge Vortheil ziehen können, wenn wir darüber nachdenken, wie wir es anwenden, oder wir uns zu ſeiner Anwendung fähig machen können.—.
Denken Sie, meine Damen, es würde ein Kochbuch ausgeboten. Sie würden Alle darauf bieten, um recht wirthſchaftlich zu erſcheinen. Da hätte es denn Eine an ſich gebracht. Während die Suppe am Feuer ſteht, die ſie ſonſt recht trefflich zuzubereiten weiß, läuft ſie nach dem Kochbuche, um nach— zuſchlagen, was darin über die Bereitung ſchmakhafter Suppen angegeben ſei, während ſie aber nachſchlägt, ſchlägt die Suppe um, und der gute Mann mog bei Tiſche, da er die wirkliche Suppe ungenießbar findet, in dem Buche nach— leſen, was Alles dazu gehöre, eine gute Suppe zu bereiten.
Dort ſteht ein prachtvoller Spiegel zum Verkauf. Wie ſind die Augen aller anweſenden Damen darauf gerichtet, wie möchte jede gern ihn den ihren nennen. Wenn ihn nun Eine haben wird, ſo wird ſie Stunden lang vor ihm ſtehen, ihn und ſich bewundern, und ſtatt, daß ſie ſelbſt ins Zimmer hinein— ſchauen ſollte, wird es nur ihr Spiegelbild thun. Was wird die Folge ſein? Sie wird ſelbſt nicht als ein Spiegel der Wirthſchaftlichkeit erſcheinen; in ihren Möbeln und Geräthen wird ſich Niemand ſpiegeln können, und dieſer koſtbare Spiegel wied jene herrlichern verdrängen.
Auf jenen koſtbaren Mantel ſind die Augen der jungen Herren gerichtet. Erlauben Sie mir die Annahme, daß ihn wohl Einer erſtehen könnte, welcher damit nicht eben ſeine vollen Taſchen, ſondern eher ſeine Blößen zudeken würde. Den Mantel nach dem Winde hängen, iſt nicht immer Recht; ſich ober einen koſtbaren Mantel umhängen, wenn es nur Wind iſt, das iſt ſicher Unrecht!—
Jenes alte Paar Stiefel wird ſchwerlich einen Käufer finden, höchſtens um ein Lumpengeld losgeſchlagen werden. Aber ſie ſind ein Schaz, wenn man bedenkt, wer ſie getragen. Sie waren das einzige Stiefelpaar ihres Beſizers, er puzte ſie ſelbſt, und oft hatte er nicht Zeit, ſie zu puzen. Er war einſt ein reicher Mann, doch ſein größter Reichthum war, ſein wohlthätiges Herz, das ihn am Ende faſt an den Bettelſtab gebracht hätte. Wohlthun war die Loſung ſeines Lebens. Und als er am Ende Alles hingegeben hatte, fand er nirgends Hilfe, nirgends Unterſtüzung; die Einen ſchalten ihn einen Narren, die Andern einen Verſchwender. Er hielt um einen Poſten an, doch obgleich ihn die zu vergeben hatten, an die er den größten Theil ſeiner Habe verge— ben hatte, mußte er lange fruchtlos harren;— das iſt ja eine alte Geſchich— te!— Endlich erhielt er einen Briefträgerpoſten. So kärglich deſſen Ein— kommen war, ſo theilte er es dennoch mit den Armen, und wenn er des Ta— ges müde und matt geworden, ſo gönnte er ſich noch nicht die Ruhe der Nacht, er wachte bei armen Kranken. So hatte er drei Nächte hintereinander am Krankenbette eines verlaſſenen Freundes, der ein ähnliches Schikſal, wie er, erlebt, ſchlummerlos zugebracht. Am Morgen des vierten Tages fand ihn der Arzt an dem Bette entſchlummert und wähnte, es wäre vor Ermüdung geſche— hen.— Da ihm jedoch bekannt war, daß er bald ſeinen Votendienſt beginnen mußte, trat er näher, um ihn zu weken; da fand er ihn wohl aus Ermüdung entſchlummert, aber für immer. Den Tag vor ſeinem Tode hatte er, zur Er— quikung ſeines Freundes, von einem Kaufmann zwei Apfelſinen geholt; der


