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tiſchen(2) Charakter einzuprägen trachtete. Seiner Geſchiklichkeit glükte es einige leidenſchaftliche und ausſchweifende Jünglinge, welche Schulden drükten, zu verführen. Da einige Studenten und aus dem Dienſte entlaſſene Offiziere ſich ihm beigeſellten, ſo führte er bald gegen 100 bewaffnete Naͤuber an, die manchmal haufenweiſe ſehr verwegene Thaten ausführten; oft aber ging So— bri allein verkleidet herum ſpähen, und wenn er eine ernſthafte That vor— hatte, bezeichnete er ſtets einen Verſammlungsort für den Fall, wenn ſeine Leute zerſtreut würden.
(Beſchluß folgt.)
Die Au i t an,
Die Menge drängte ſich an den Auktionstiſch, hinter welchem eine Maſſe Sachen bunt über- und neben einander aufgeſchichtet lag, ſchon erhob ſich der Ausrufer, und wollte beginnen, da rief es mit heiſerer Stimme halt! und ein kleines Männchen mit grauem Kopfe und blizenden Augen, drängte ſich durch den Haufen, ſprang auf den Tiſch, und bat um Gehör auf einige Augenblike.
Alles horchte ſcharf auf, der Kleine begann:
„Meine Damen und Herren! Alt und jung, reich und arm! In weni— gen Stunden wird hier das Bild des Lebens, wie eine wandernde Dekoration, vor Ihnen vorübergehen! Ich will ſie darauf aufmerkſam machen, damit es für Sie nicht ohne Nuzen geſchehe.
Die Leute, welchen die Sachen einſt gehörten, die bald unter Sie zer- ſtreut werden ſollen, haben das Leben, und was ſie im Leben hatten, hinter ſich. Dies Alles ſind ihnen erfüllte Wünſche geweſen, während Ihre Wünſche noch darnach ſtreben, und Sie nicht wiſſen, wie theuer jeder einzelne werde zu ſtehen kommen.
Sie werden ſich gegenſeitig überbieten, und wer das lezte Gebot behält, dem wird das Gewünſchte zum Eigenthume und er deſſen Gebieter. So hat im Leben der das Meiſte, welcher alle Andern überbietet, doch im Streben und Wollen verkennt er oft ſeine Kräfte, Manches kommt ihm theurer zu ſte— hen, als es Werth für ihn hat, und bald, nachdem es ihm zugeſchlagen wor— den, muß er es unter dem Preiſe losſchlagen.
Denken Sie, meine Herren, es würde hier ein Amt ausgeboten, das Ihnen recht glänzend in die Augen ſtäche. Sie würden emſig darnach langen, Sie würden ſich auf die Zehen ſtellen, Sie würden denken: wir ſind im Le— ben, um ein Amt zu erhalten, wie wir auf die Auktion gehen, um etwas zu kaufen. Aber, Sie können es nicht erwarten, bis das für Sie Paſſende an die Reihe kommt, Sie kaufen vorn weg, um nichts zu verſäumen, und beſe— hen Sie ſich das Erworbene bei dem ruhiger brennenden Lichte Ihres Verſtan— des, ſo— fühlen Sie, daß Sie nicht das Rechte gefunden. Das Amt iſt das Ihre, aber weder ſind Sie für das Amt, noch das Amt für Sie. Schwer füh— len Sie Ihre Uebereilung. Doch ein Amt wird man nicht ſo leicht los, wie eine bewegliche Sache; es iſt vielmehr eine bewegende— zur Beſtechung, zum Uebermuthe, zum Eigennuze, zur— Faulheit.— Leztere macht das Erwor— bene erſt recht unbrauchbar. Denn werfen Ste, was Sie für unnüz halten,


