Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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des kaiſerlichen Heeres in die Enge getrieben ſich nach Bonnas(der Himmel weiß, wo dieſer Ort liegt) zurükgezogen haben. Als ſie in ein Gut des Erz⸗ herzogs Karl eingedrungen waren, nahmen ſte von da alle werthvollen Ar tikel weg, die ſie nur fanden. Ein Verzeichniß dieſer Räuberbande, welches Milfay(Milfait), Sobris Genoſſe, der eingefangen und aufgehangen wurde, der Jurisdiktion übergeben hat, enthält einige wichtige Umſtände. Die nach⸗ folgenden Data ſind einem deutſchen Blatte(welchem 2) entlehnt. Sobri, ge gen 27 Jahre alt, iſt zu Fünfkirchen in Ungarn geboren. Sein Vater war 5 ein reicher Gärber in dieſer Stadt), und auch ſein Oheim hatte ſich ein ſchönes Vermögen durch Safranbau erworben(2). In ſeiner Kindheit zeigte Sobri große Kühnheit und Verwegenheit, welche ſeine Eltern betrübte, und die blutigen Schlägereien, in welche er mit adeligen jungen Herren(Junkern) verwikelt wurde, veranlaßten ſeinen Vater ihn bei Zeiten vom Hauſe wegzu⸗ ſchiken(). Er wurde daher nach Gotha(22) geſchikt, wo er große Fortſchritte in den Wiſſenſchaften machte). Die übrigen Schüler bedurften großer Re ſignation, um ſeine Leidenſchaftlichkeit und die Ausbrüche ſeines Zorns zu dulden, der ſich in faſt unerträglichem Maße äußerte. Sobri war ein Dichter und dichtete Balladen(12), welche ſeine Kameraden nach ſeiner Melodie ſan- gen, und er gerieth oft in eine fürchterliche Wuth, wenn einer von ihnen nicht gehörig ſang. Er war genöthigt, dieſe Stadt zu verlaſſen, in Folge ei nes Aufſtandes der Studenten, welche er bei Fakelſchein zur Ausraubung des Gothaer Münzkabinets angeführt hatte er verſchwand aus der Stadt, von den Polizeiwächtern verfolgt, ſchwamm durch den Fluß Seine(Y) hindurch, und verſtekte ſich in einem zum Schloſſe Friededſte in gehörigem Stalle, dann begab er ſich nach Hannover, Holſt ein, Lübeck und gelangte end⸗ lich nach Upſala in Schweden.(11). Sobri, der Neigung zu den Studien hatte, beſchloß jezt ſeine Sitten zu beſſern und verlegte ſich aufs Studiren. Da er durch ein beſonderes Unglük ſeit Anfang des Jahres 1836 keine Nach⸗ richten erhalten hatte, war er genöthigt Upfala zu berlaſſen und nach Deutſch⸗ land zurükzukehren. Vor ſeiner Entfernung aus Schweden dachte er folgenden Plan aus, um zu Geld zu gelangen, deſſen er ſehr bedurfte. Er ſchlich ſich im Winter jeden Abend aus der Stadt, und grub guf der Straße eine Fang grube, welche er mit trokenen Zweigen und Schnee bedekte. So oft ein un⸗

vorſichtiger Reiſender in die Grube fiel, wurde er von Sobri, der eine au ßerordentliche Stärke beſizt, angefallen und ausgeraubt. Die Zahl der

Räubereien, welche Sodri beging, ehe er zu Joſeph-Stadt in Ungarn() anlangte, iſt unbekannt. Aus dieſer Stadt ſchrieb er einen Brief an ſeinen Vater, worin er ſeine Vergehen aufrichtig bekannte, als deren Urſache er die Noth anführte, und fügte hinzu, daß er ſich nicht mehr traue dem Vater vor die Augen zu kommen, deſſen er nicht würdig ſei. Seit dieſer Zeit be⸗ mühte er ſich mit unglaublicher Geduld und Geſchiklichkeit eine Räuberbande zu bilden, welcher er zur Hälfte einen militäriſchen, zur Hälfte einen roman⸗

5) Keineswegs, ſondern nur ein armer Schweinhirt zu Endröd in der Eiſenburger Geſpanſchaft. Ry.

) Sobri kam nie aus Ungarn heraus, und ſtubirte weder in Gotha, noch

ſonſt wo in Deutſchland oder Ungarn, denn er kann weder leſen noch ſchreiben. a Ny.