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War Angioletta eine feine Kokette 2 war ſie eine maskirte Geſunkene?— Nein! Sie war ein ehrliches Mädchen und hatte die Erziehung durch ihren Onkel, den Parra in Z., nicht fruchtlos genoſſen.
Der Harb lud Angioletta zu ſich, ſie kam mit Slumen und ihrer Mut⸗ ter. Der Baron war ein gar guter Mann und machte Beiden Anträge.
Er bot dem Kinde die Führung ſeines Hausweſens an; ſie ſollte zu ihm ziehen.
Angioletta hörte ihn nicht. Die Mutter wohl.
Er trug ihr eine Equipage und gallonirte Diener an, wenn ſie einwil— ligen würde.
Angioletta blieb taub. Ihre Mutter wollte„Ja“ ſagen.
Er verſprach ihr eine jährliche Penſion von tauſend Gulden Konventions- Münze, wenn ſie ſich ſeinen Wünſchen fügen wollte.
Angioletta blieb taub. Ihre Mutter zürnte ihr darüber.
Er wollte Angioletta zu ſeiner Unkverſakerbin machen, wenn ſie mit ihm lebte bis an ſein Ende.
Und Angioletta?— blieb taub. Die Mutter war außer ſich darüber.
Was hatte der Baron noch anzutragen?— Er war auf's Höchſte getrie— ben und wollte Angioletten um keinen Preis entſagen.
„Mädchen!“ ſprach er,„was kannſt du denn wollen?— ich habe nichts mehr zu geben. Was willſt du denn, daß ich dich mein nennen darf?!“
Angioletta nahm ihn ſtillſchweigend bei der Hand.
„Meine Hand?“— rief der graue Freiherr mit einem bedenklichen Geſicht,„du wählſt klug!“
Angioletta verkauft keine Blumen mehr und der alte graue Freiherr v. N. führt eine freundliche, holde und ſüße Gemahlin am Arme.
Der ungariſche Räuberhauptmann Sobri von den Fran⸗ zoſen und Engländern zu einem Romanenheld erhoben.
Während die Wiener Zeitungen und Zeitſchriften von Sobri und ſeinen Räubergenoſſen keine Notiz nehmen, bis auf den äöſterreichiſchen Beobachter und den Wanderer, die lezthin einige Nachrichten über ſie aus der Preßburger Zeitung aufnahmen, ſchenkten ihnen die deutſchen Zeitunge n und Zeitſchriften, z. B. die Augsburger allgemeine Zeitung, der deutſche Kourir, 956 Nürnberger Korreſpondent und die Leipziger Schnellpoſt(welche auch Milfait's Bildniß lieferte) deſto mehr Aufmerkſamkeit, und die franzöſiſchen und engliſchen Blät⸗ ter erhoben ſogar den Näuberhauptmaun Sobri zu einem Nomanenhelden. Zur Ergözung der Leſer des Spiegels theilen wir hier mit, was die in Paris er⸗ ſcheinende engliſche Zeitung Calignani's Messenger im vorigen Monat über Sobri berichtet, aus welchem Bericht zugleich erhellt, wie gut(oder vielmehr ſchlecht) die Franzoſen und Engländer in der Geographie und Topographie Ungarns bewandert ſind.
„Aus den neueſten Nachrichten, welche bon den Bewegungen der Bande Sobri's mitgetheilt wurden, erhellt, daß dieſe Räuber, von einer Abtheikung


