Kunst, Eleganz und Mode.
Vebuler Ahr gauq.
26. Sonnabend, 1. April. 1832.
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Szenen aus der Gegenwart. Von Rudolf Hirſch. II. Angioletta. 5
Sie war ſo freundlich, ſchön und ſüß wie ihr Name, ſiebenzehn Lenze alt und rein und makellos, wie der Frühling.
Angioletta war ein Blumenmädchen; ihre Mutter eine arme Gärtnerin in der Vorſtadt, pflegte Blumen und pflükte ſie; ihr Töchterlein band ſie zu Sträußchen und verkaufte ſie auf dem Markte.
Die jungen eleganten Herren in der Stadt kauften alle von dem Blu— menmädchen und zahlten manch Knöspchen mit einem Silberſtük. Das war der Mutter ſchon recht. Sie dachte:„Geld, ach, nur Geld! je mehr, deſto beſ⸗ ſer!“— Die alten Herren kauften auch von Angioletta, aber ſie ſahen dabei nur die Veilchenaugen, den Roſenmund und den Liliennaken des Blumenmäd— chens; die waren aber um keinen Preis zu haben.
Der Freiherr v. N— war ein recht braver Mann von fünfzig Jahren, der als Gutsbeſtzer und reicher Privatmann ſeine Einkünfte in der Stadt ver— zehrte. Täglich kaufte er von Angioletta und trug täglich ein Blümchen von dem holden Kinde, im Knopfloche ſeines eleganten Frakes. Er war juſt kein Gek; ſeit zwanzig Jahren ſchon Wittwer, kinderlos— aber doch ein bischen ſtark in Angioletta verliebt. Er war gerade kein Feind hübſcher Mädchen. Angioletta nahm des noch immer ganz gut konſervirten Barons Dukaten für ihre Blumen, gab aber für die Dukaten durchaus nichts Anderes, als ihre Blumen. Das war dem Freiherrn nicht genug; denn das Gärtnerk ind über— hörte ganz ſein Liebesgeſchwäz und der Baron wurde immer unruhiger; er konnte ſchon ein paar Nächte nicht gehörig ſchlafen.
Hat Amor ſolch Unheil in dem alten Herrn angerichtet?— Der Baron mußte es am beſten wiſſen.


