Jahrgang 
Band 1 (1837)
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don aͤrztlichen Heilmitteln für alle mög⸗ lichen Krankheiten, wofür ſie ganz ſeltſame Namen von Arzeneien zu ver⸗ ſchreiben pflegte. Die Regierung hat dieſen betriegeriſchen Umtrieben ein Ziel geſezt, indem ſie dieSeherin durch Landjäger beaufſichtigen läßt. Geheilt wurde bis jezt Jedermann, aus dem einfachen Grunde, weil das Miß⸗ lingen einer Heilung blos einer be ſon⸗ deren Sündenſchuld des Patienten hät⸗ te zugeſchrieben werden können, und ein Bauer, deſſen ganzes Dorf an die⸗ ſen Umſtand glaubt, natürlicher Weiſe nicht ſich ſelbſt für einen gnadenloſen Sünder anerkennen und ausgeben laſ⸗ ſen will.(Fr. M.) Metz. Die Juden in Sedan ha⸗ ben keinen Begräbnißplaz, und ſie müſ⸗ ſen ihre Todten mit großen Koſten nach Metz ſchaffen. Als nun vor Kurzem ein junger Iſraelit ſtarb, kam ſeine arme Familie auf den Gedanken, der Erſpa⸗ rung wegen, den todten Körper der Voſt zum Fortſchaffen nach Metz zu über⸗ geben. Man pakte ihn ein und über⸗ gab den Ballen der Poſt. Unglüklicher Weiſe wurde derſelbe vergeſſen und blieb mehrere Tage liegen. Man be⸗ merkte ihn erſt, als ſich ein ent ſezli⸗ licher Geruch um ihn her verbreitete. Es wurden Unterſuchungen angeſtellt, und die Juden werden nun in Sedan einen Begräbnißplaz für ihre Todten erhalten. M.

Local-Zeitung.

Muſik.(Famile Lewy). Am 27. März gab der berühmtevielleicht erſte jezt lebende) Horniſt, Hr. E d. Conſtantin Lewy, Profeſſor und Mitglied der k. k. Hofkapelle und Soloſpieler des k. t. Hofopern⸗ theaters in Wien, mit ſeinen hochbegabten Kindern Melanie, Carl und Richard ein Kon⸗ zert im Redoutenſaale. Noch ſcheint in die ſen Hallen das Echo von des jungen Vieux⸗ temps begeiſternden Tönen nicht verklungen

zu ſein, als ſchon wleder ein anderes muſtka. liſches Meteor unſerm kunſtſinnigen Publikum aufdämmerte. Die Virtuoſität des Hrn. E. C. Lewy iſt von notoriſcher Meiſterſchaft. Der Ruf dieſes Künſtlers iſt eur opälſch begründet und wir berichten nur, daß er hier, ſo wie überall, durch die kräftige und dennoch zarte Bebandlung ſeines Inſtrumentes, durch große Bravour, durch das Sangvolle und die In⸗ nigkeit des Vortrages, durch die Leichtigkeit der Paſſagen, ſo wie überhaupt durch eine unvergleichliche Rundung des Tones die hoch ſte Bewunderung erregte. Sein etwa zwölf. jähriger Sohn Carl iſt ein fertiger Pianiſt, der Sicherheit mit Ausdruk verbindet. Gar lieblich iſt die vielleicht zehnjährige Melanie.

Sie ſpielte ein Konzert auf der Pedalharfe,

und Niemand mag geeigneter ſein uns mit dieſem hier noch ſo wenig beachteten Inſtru⸗ mente näher zu befreunden. Nicht nur eine große Geläufigkeit der Finger, ſondern auch die Kunſt, die Töne zu verſchmelzenverſteht die liebenswürdige Kleine in großem Maaß ſtabe. Aber Staunen und Verwunderung ſchuf die Erscheinung des kaum achtjährigen Richard bei der ganzen Verſammlung. Ein klei ner Oberon, ein kleiner Amor war's mit kühnem Blike, muthiger Haltung, das ge waltige Horn mit grazibſer Anmuth u. männ lichem Anſtande handhabend, und ſich ſeiner Macht bewußt, es reſolut an den Mund bringend, um Töne hervorzuzaubern, die gleich jenen des Elfenkönigs Alles in Ent. züken verſezten. Man würde kaum an die Möglichkeit glauben, daß ſolch zarte Bruſt ſolch Giganteskes gebären könne. Der Bei fall war betäubend, und der kleine wunder bare Virtuoſe ward viermal ſtürmiſch geru⸗ fen. Ein Lied von Kreuzer ward ſo treff lich von Hrn, Oberhoffer geſungen und von Hrn. Lewy mit dem Horn begleitet, daß es wiederholt werden mußte. Man ſieht mit geſpannter Erwartung den fernern Konzerten entgegen. F.

Rappo. Dieſer viel berühmte Atleth und Gymnaſtiker iſt hier, und gibt ſeine höchſt intereſſanten Vorſtellungen im Theater.

Halbſähriger Preis 5 fl. und poſtfrei 6 des Waſſerthort), in

4 fl., mit freler Poſtzuſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten Kupferabdrllken fl. C. M. Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen(Feſtung, auterhalb Ferdinand Tomalat Kunſthandlung zu Peſth und bel alen k. k.,

Herausgeber und Verleger Franz Wleſen.