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Dr. Veer, welcher in ſeiner Zeitung für Leſer aller Art Pikantes bringt, dem freundlichen, für alles Gute und Schöne warm und empfänglich pulſi⸗ renden Ungarn. Sincerus. Buntes aus Paris. Eine literariſche Kurjoſität iſt die Erſchei⸗ nung einer Geographie von Frankreich in Verſen. Sie erſchien bei Ch. Pocquel, unter dem Titel:„Résumé en vers de la Géographie de la France.“ Der Verfaſſer, der auf die Idee kam, durch Versmaaß und Reim dieſe trokene Wiſſenſchaft dem Gedächtniſſe zugänglicher zu machen, iſt Profeſſor an der hieſigen Univerſität.— Meyer beer iſt nach Lyon gerelſt, um dort die Aufführung ſeiner Hugenotten zu leiten.— Ein Bewohner der franzöſi— ſchen Gemeinde Orgers im Departe— ment der obern Marne will einen nach Belieben lenkbaren Dampfballon erfun— den haben, an deſſen Verfertigung er jezt arbeitet. Bei Sturm, behauptet er, ſei er ſchwierig zu benüzen, weil der Aufwand an bewegender Kraft zu groß wäre; bei mittlerer und ruhiger Witterung aber werde er ſich ſehr ſchnell fortbewegen. in Paris hat eine Ueberſicht der neue— ſten Verbeſſerungen im Poſtenlauf be— kannt gemacht. Unter Anderm wird die ſo wichtige Brüſſeler Korreſpondenz, die täglich eſtafettalmäßig in 19 Stun⸗ den befördert wird, und Nachmittags 1 Uhr eintrifft, vor 5 Uhr ausgetheilt, während dies bei der bisherigen Ein⸗ richtung erſt um 6 Uhr geſchah. An den verſchiedenen Briefkaſten in ſämmt⸗ lichen Quartieren der Stadt wer den Aufſchriften angebracht, welche die ge— naue Zeit des Abgangs der Briefe nach Verhältniß ihrer Aufgabe anzei— gen.— Ein Mann wollte ſeine Hün⸗ din los ſein, und übergab ſie zum Fortſchaffen einem Träger. Dieſer blieb, während er durch den botaniſchen Gar⸗
— Die Poſtverwaltung.
ten ging, vor einer der Gruben ſte⸗ hen, worin ſich die Bären befinden und warf die arme Hündin hinein. Es befanden ſich darin eine Bärin mit ih⸗ ren zienlich großen Jungen. Die lez—⸗ tern ſtürzten ſich ſogleich auf den Hund, um ihn zu zerreißen; auf den alten Bären aber machte der Anblik des zit⸗ ternden Thieres, das um Gnade zu bitten ſchien, einen andern Eindruk. Er vertheidigte daſſelbe gegen ſeine eigenen Jungen. So rettete ſich der Hund in die Hütte, wo man den Bä— ren zu freſſen zu geben pflegt. Hier brachte er, immer von der alten Bärin vertheidiget, die Nacht zu und wurde früh, als die Aufſeher kamen, heraus genommen. Man machte der Polizei Anzeige von der Sache; der Schuldige wurde ausgemittelt und verlor die Er— laubniß, Träger zu ſein. B. Stuttgart. Unſere Lokal⸗ blätter beſchäftigen ſich ſeit einiger Zeit viel mit einer neuen„Seherin““, welche zu Großglattbach, unweit Pforz— heim, mit bedeutendem Aufſehen auf— getreten iſt. Es iſt ein Bauermädchen, welches früher eine Somnambule ge— weſen zu ſein ſcheint, jezt aber offen— bar eine bloße Betriegerin iſt. Sie lebt faſt ausſchließlich von etwas Brod und ein wenig Waſſer, wie man den ſtädtiſchen Beſuchern ſagt; dem länd— lichen Publikum aber wird zuverſicht— licht verſichert, ſie eſſe lediglich Nichts, als Manna, welches ihr von guten Engeln oder zuweilen von Jeſu ſelbſt geſpendet werde. Der Kronenwirth zu Großglattbach, welcher ſeinen Vortheil dabei findet, ſo viele Fremde zur Be— ſichtigung des Wunders eintreffen zu ſehen und zu beherbergen, ſendet ihr, wie man ſagt, regelmäßig die Reſte der für die fremden Gäſtelaufgetragenen Ta⸗ felherrlichkeiten, womit ſich die Sehe— rin denn auch genügen läßt. Ihr Haupt— einkommen war übrigens die Angabe


