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darin. Wie ein gewandter Referent
ſich ausdrükte,„fand das Publikum es nicht der Mühe werth, die Poſſe auszuziſchen!“; ſo ging das kranke Machwerk ſpurlos über die Breter und wird wohl bald ſein Leben aushauchen. Schade um die ſchöne, friſche Muſik Hebenſtreit's, welche dieſen Leichnam von einer Poſſe mit ſo freundlichen Blümchen ſchmükt!— Die Wiener Schuſterbuben haben nun auch ihren Apollogeten gefunden. In Kaſchau er⸗ ſchien eine Broſchüre unter dem Titel: „Thaddäus Schmierling, die Wiener Schuſterbuben oder Wiener Wiz⸗Ra⸗ keten und Anekdoten-Feuerwerk, an⸗ gezündet im Garten des Wiener Volks— lebens.“— Nicht unpaſſend nennt ſich der unſterbliche Verfaſſer: Sch mie r— ling. Die Anekdoten ſind meiſt, aus Caſtellis„Bären“— und da auch noch ſo ſchlecht ausgewählt, daß, wer die Wiener Schuſterbuben, dieſe baarfußen Humoriſten, nicht genauer kennt, die—⸗ ſelben für vernagelte Köpfe halten muß. Meiſter Schmierling ſcheint das Wie— ner-Volksleben in Kaſchau ſtudirt zu haben, wie übrigens das kleine Büch— lein ſelbſt einen Beitrag zu dem nicht gar würdigen Handwerk der Vücher— macherei iſt.— Unſer humoriſtiſche Langer, als Erzähler ſo beliebt, gibt bei Tendler mehrere Theile ſeiner Er⸗ zählungen heraus. Tendler verſorgt die Leſewelt ſeit einiger Zeit viel mit Novellen u. d. gl. aus ſeinem Verlage. So verlegte er von Told allein 6 Bän— de! von Thielen 2 u. a. m. und dies Alles in ſehr kurzer Zeit; ich glaube, daß Hr. Tendler unter die unterneh- mendſten Buchhändler Wiens gehört. Der zweite Theil von Raimunds Wer⸗ ken iſt bei Rohrmann und Schweigerd erſchienen— der Buchhändler Schwei⸗ gerd geſtorben.— Die Donau bringt ſeit 5 Tagen eine ölartige Subſtanz auf ihrer Oberflache; dieſe Materie
bildet Blaſen, welche im Sonnenſtrahle Farben ſpielen, dann plazen und ver⸗ ſchwinden. Eine Menge Menſchen ſieht dieſem Phänomen von der Brüke am Rothenthurmthor aus zu; ich ſelbſt ſah die Sache nur en passant. Einige mei⸗ nen, es ſei eine Folge des Erdbebens, weil Tags darauf ſich dieſe Erſcheinung gezeigt und das gemeine Volk fürchtet ſich, die Leopoldſtadt müſſe untergehen, weil die Donau Oelfleke bekomme. Schuldloſe Furcht! Andere ſagen, es ſei eine Gaseinrichtung(1) zerſtört und in die Donau, wunderlicher Ur— ſachen willen, geworfen worden. Wie— der Andere wollen von einem geſcheiter— ten Schiff wiſſen, worauf ſich viel Del befunden und ein Theil behauptet, es ſei eine Quelle von Erdöl(Naphta) bei Nußdorf entdekt worden, welche ſich unter der Donau befindet! Wiz— bolde ſagen: Die Donau blaſe ſich auf u. d. gl. Beſtimmtes aber weiß ich Ihnen nicht zu melden.— Ihr„Spie⸗ gel“ hat in Stuttgart einen Neben- buhler erhalten. Der Stuttgarter „Spiegel“ befaßt ſich aber in ſeiner erſten Nummer mit nichts anderm, als Geſpenſtern, Geiſtern u. d. gl. Sie bringen Freundlicheres und ich glaube kaum, daß der Stuttgarter„Spie— gel“, wie der Ihrige, eine zweite Auflage ſeiner erſten Blätter noth— wendig machen wird.— Um mit etwas ſehr Angenehmem zu ſchließen, ſo muß ich Ihnen von der neuen Folge der „Geſundheitszeitung“, ſeit 1. Jänner 1857 vom Dr. H. Beer redigirt, mel⸗ den, welche ſich äußerſt intereſſant ent— faltet.“ Herr Beer iſt ein ſehr geſchik— ter Redakteur und hat bereits ſeinen Vorgänger überflügelt. Unter Andern finde ich auch die Aufſäze des Dr. Ro— ſenthal aus Peſth(zur Zeit in Wien), eines fleißigen Mitarbeiters dieſer Ge— ſundheitszeitung, ſehr lobenswerth und empfehle hier das Unternehmen des


