Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
197
 
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ſchaͤfte machen, und folglich, auch Al⸗ les aufbieten wird, um ſeine Geſell⸗ ſchaft zu vervollkommnen. Hr. Huber, der mit Recht allgemein beliebte Sänger, geht vor der Hand nach Peſth und Wien, um ſich von dort nach Brünn, vielleicht auch wieder nach Norddeutſch land zu begeben, folglich bleiben nur der Tenoriſt Hr. Herz und die Sän⸗ gerin Dlle. Auchter zurük, die im Verein mit noch einigen neu hinzu kommenden Individuen eine ambulante Geſellſchaft bilden werden, die dann den Sommer über in den benachbarten Orten: Lugos, Oravitz, Mehadia oc. herumziehen, und theils in Thalien geweihten Tempeln theils auch manch mal in einer Breterbude ihre Vorſtel- lungen, d. h. Opern geben wird. Wie dieſes ohne ein ſtabiles Orcheſter, in Orten, wo oft alle muſikaliſchen Be⸗ helfe fehlen, möglich ſein wird, be greife ich nicht wohl, allein es läßt ſich erwarten, daß es dem Genie des neuen Direktors ſchon gelingen werde, alle dieſe Hinderniſſe zu beſeitigen, und uns auch ohne das Hermannſtädter Theater für den Winter eine auser wählte Geſellſchaft zuſammen zu ſtel⸗ len. Das hieſige Theater ſoll dann dieſen Sommer über bedeutend vergrö ßert, mit etlichen zwanzig neuen Lo⸗ gen und einem halben hundert Sperr⸗ ſizen vermehrt, das Auditorium ver⸗ ſchönert, auch eine Vorhalle errichtet werden. Auch von dem Baue einer Arena iſt die Rede, ſo wie von Aus führung mehrerer anderen großartigen Pläne des unermüdlich thätigen Hrn. Theodor Mäller, wobei es ſich nur um die Löſung der einzigen Frage han delt: Wer zu dieſem Allen das Geld hergeben wird? Vor einigen Tagen ſtarb hier der in der Theaterwelt nicht unrühmlich bekannte Komiker Picco lini. Im vorigen Jahre ſchon krän kelnd hieher gekommen, konnte er,

beſonders in der leztern Zeit, ſeinem Berufe nur wenig genügen. Das feier⸗ liche Leichenbegängniß, welches von der Geſellſchaft veranſtaltet wurde, verſammelte eine große Menge von Theil nehmern, die die Leiche nach dem Friedhofe hinaus begleiteten, wo am Grabe von dem geſammten Perſonale ein, von unſerem wakern Domkapell⸗ meiſter Limmer komponirter Trauer⸗ Chor geſungen wurde. Nächſtens wird RaimundsVerſchwender noch gegeben werden, und wahrlich nach dem, was wir bereits gehört, hätte Hr. Nötzl ſeine Direktion nicht würdiger be ſchließen können. Der Domkapell⸗ meiſter Limmer, ein gründlicher ſach⸗ kundiger Muſiker und Kompoſiteur, ſoll eine neue Singſchule hier begrün den, da die ſeit ein Paar Jahren hier beſtehende ſchon ihrer gänzlichen Auf⸗ löſung nahe iſt. Da die Theater-Ge ſellſchaft nun auseinander geht, ſo fand geſtern für dieſen Winter die lezte große muſikaliſche Unterhaltung bei

dem Herrn Senator von Kraul ſtatt,

wobei wir uns noch mancher lieblichen Spende der Abgehenden erfreuten. Charles.

Mignon. Zeitung.

Feuilleton aus Wien. (Fünfte Lieferung.) Im Hofburgthea⸗ ter ging ein Drama:Marie, aus dem Franzöſiſchen der Mad. Ancelot durch Theodor Hell in's Deutſche über⸗ tragen, in die Szene. In Paris ge⸗ fiel das Drama ungemein, in Wien nicht beſonders. Mad. Rettich gab die leidende Marie und löſte die ſehr ſchwie rige Aufgabe trefflich. Die Poſſe Mathilde und Knauſerl von Schickh, welche das Leopoldſtädter- Theater brachte, iſteine ungeheure Nulle; auch nicht Ein geſunder, neuer Spaß