Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
195
 
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tlefer, ſicherer, und zu gleicher Zeit traurigerer, ungerechterer und bitterer Blik auf die menſchliche Geſellſchaft geworfen worden, als in dieſen Romane. Nach Indiana erſchienValentine; die Schreibart der Verfaſſerin war noch großar tiger geworden. Dieſer ohnedies ſchon männliche Styl hatte noch mehr Glanz, noch mehr durchſichtige Klarheit und Ungezwungenheit gewonnen. AuchVa- lentine iſt die Geſchichte einer durch die Ehe verdorbenen und entehrten Frau. Dieſes Buch hatte denſelben Zwek wieIndiana, und vollendet, was dieſe begonnen hatte. Hierauf legte Georges Sand, als der ſo unerwartete große Ruf ihm etwas nach dem Kopf geſtiegen war, auf einige Zeit ſeine männlichen, Kleider ab, und zeigte ſich in ſeinem berühmten BucheTelia als Frau. Dieſer Roman iſt in jeder Beziehung ein Fleken in dem literariſchen Leben Georges Sands; denn man findet in ihm weder den Styl, noch die Phantaſie, noch die Eleganz und ſcharfſinnige Erfindung, wie inIndiana und inVa- lentine. DieſeLelia iſt ein abſcheuliches Geſchöpf, eine Courtiſane ohne Herz und Verſtand, eine Dirne, die dem Vergnügen, das ſie nicht empfindet, einen armen jungen Mann opfert, der ſie von ganzer Seele liebt. InIn- diana,Valentine undLelia iſt das männliche Geſchlecht gräulich miß⸗ handelt, während ſich darin die Frauen, troz ihrer Lüderlichkeiten aller Art, in ihrem ſchönſten Lichte zeigen; aber welche Frau würde wagen, ſo von Frauen, ja nur von Männern ſo zu reden! InJacques werden die Män⸗ ner etwas beſſer behandelt. Nach dieſem ſchrieb Georges Sand ein Paar aller⸗ liebſte Novellen, in denen er wieder Georges Sand iſt.Andes undLeone Leoni ſind kleine Meiſterſtüke; Alles darin iſt einfach und ohne Zwang verflochten. Gegenwärtig hält ſich Mad. Dudevant in Genf auf, wo ſie, in Mannskleidern, am Arme ihres Ciscisbeo promenirt, der kein Anderer als der berühmte Klaviervirtuoſe Lißzt, bekanntlich ein geborner Ungar, iſt.

t.

Die Spiegel ſind ein Gegenſtand des Luxus und ſelbſt der Nothwendig keit geworden; es iſt kein Zimmer, keine Toilette mehr ohne Spiegel, und wenn unſere Damen dafür ſorgen, immer einen Spiegel in der Nähe zu ha ben, ſo folgen ſie darin den Damen des höchſten Altherthums. Die Frauen bedienten ſich derſelben, ſobalb ſie erfunden waren.

Die erſten Spiegel waren von Metall; Cicero ſchreibt ihre Erfindung dem Aeskulap zu. Wir ſehen im 4. Buche Moſis, daß man die Spiegel der Frauen ſchmolz, welche ſich am Eingange der Stiftshütte verſammelten. Alſo machten die Frauen ſchon zur Zeit des Moſes von den Spiegeln Gebrauch. Die Iſraeliten zogen aus der Gefangenſchaft in Egypten; Gefangene können keinen Luxus treiben, die Spiegel waren alſo für ſie ein Gegenſtand der Nothwendigkeit. Das Volk der Iſraeliten befand ſich in der Wüſte und litt am Nothwendigſten Mangel, aber Spiegel hatten die Frauen.

Außer dem Erze wurden im Alterthume auch das Zinn und das polirte Eiſen zu Spiegeln gebraucht; dann machte man ſie aus Erz und Zinn zuſam men, und diejenigen, welche man in Brunduſtum machte, galten lange für die beſten. In der Folge gab man den ſilbernen den Vorzug, welche Prapiteles, ein Zeitgenoſſe Pompejus des Großen, erfand. Die Spiegel der Alten wa