Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
191
 
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ließ er ſein Schiff an einen Felſen ſcheitern und zu Grunde gehen, jedoch nicht ohne vorher ſich nebſt der Mann- ſchaft zu retten. Sie kamen in der Schaluppe nach Malta zurük, woſelbſt der Kapitän die Erklärung niederleg te, Schiff und Ladung verloren zu ha ben. Sein Betrug wurde jedoch ent

dekt, und die Verſicherer machen, wie man ſich leicht vorſtellen kann, große Schwierigkeiten, den dadurch verurſach ten Schaden, der ſich auf 70 bis 80,000 Dukati beläuft, zu erſezen. M.

Glasgow. Ein Mann, der ein Häringsfaß geſtohlen haben ſollte, ſtand vor Gericht. Nachdem dieſe Beſchuldi gung bewieſen war, ſagte der Haupt ankläger zu dem Polizeidirektor:Der Mann iſt ein großer Böſewicht, Sir; was er jezt gethan hat, iſt nur eine Kleinigkeit. Vorige Woche ſtahl er mir meine Firma. Er brachte ſie zu mir in meinen Laden, bot ſie mir zum Kauf an und ſagte, er glaube, ich werde ſie beſſer brauchen können, als irgend Je mand anders. A.

Local-Zeitung.

Muſik.(Vieuxtemps). In vier Kon⸗ zerten und in fünf Produktionen auf dem hieſigen k. ſt. Tbeater haben wir Hrn. Henri Vieuxtemps, ſo wie auch in mehreren Privat geſellſchaften, in den verſchtedenartigſten Lei ſtungen, und in ſeiner vollen Künſtlergröße zu hören Gelegenheit gehabt. So trug er im Konzerte, welches Herr Wagner, erſter Vio loncelliſt des ſt. Theater, zu ſeiner Benefize gab, den erſten Saz des Violinkonzertes von Beethoven, und noch 2 Piecen(Variationen über ungariſche Nationalgeſänge, und über Motive aus demPiraten) mit ſolcher Vir tuoſität vor, die wir nur höchſt ſelten finden werden, wobei wir überhaupt erwähnen müſ ſen, daß ſich dieſes Konzert durch klaſſiſche Auswahl der aufgeführten Stüke ſowohl, als durch den Vortrag der Produktionspiecen der Herren Kaler, Erkel und Wagner anszeich nete. Wgs ſollen wir aber an der außeror dentlichen Erſcheinung Vieuxtemps mehr be wundern? Seinen Rieſenton? Seine unge heure Bravour, die alle Schwierigkeiten, die

furchtbarſten mit der größten Leichtigkeit, in

jeder Hinſicht ſplelend überwindet? Oder ſeine tiefe Auffaſſung der Kompoſi⸗ tionen großer Meiſter, ſelbſt jener tief ge- dachten, von ihm noch nicht gekannten, die er mit rapider Schnelligkeit aufnimmt, und mit höchſter Kunſt ausführt? Oder die Schön⸗ f heit ſeines Geſangs, die Weichheit, den Schmelz ſeines Vortrags, der alle Herzen dahinreißt, in Entzüken verſezt, deſſen Ein⸗ drut in dem Gemüthe der Zuhörer ſo bezau bernd wirkt, daß man ſich in die Harmonie der Sphären verſezt wähnt? Solch ein Prie⸗ ſter, o hohe Kunſt, zeigt ſich in deinem Tem⸗ pel in der Geſtalt eines liebenswürdigen, an⸗ ſpruchsloſen, ſiebzehnjährigen Jünglings, der, ein frühzeitig vollendeter Heros auf ſeinem Inſtrumente, bereits aus unſerer Mitte geſchie⸗ den, O wäre es uns gegönnt ihn dereinſt als Mann wieder zu ſehen, zu hören, und, da die Schwingen ſolch ſeltnen Genius ſich im mer mehr und mehr entfalten, ihn aufs neue zu bewundern, anzuſtaunen. Möge er dieſen lezten Wunſch der ihm mit aller Herz- lichteit zugethanen Peſther Muſikfreunde er⸗ füllen! N. N.

Henriette Carl. Dem Verneh⸗ men nach ſoll dieſe berühmte Sängerin dieſer Tage aus Warſchau hier eintreffen.

Lewy's. Die Künſtler familie Le wy aus Wien iſt hier angekommen, und es ſtehen uns wieder ganz beſondere Kunſtgenüſſe be vor. Saphir ſtellt in ſeinem Humoriſt im Na men Euterpens dieſen großen Virtuoſen einen originellen Reiſepaß aus, woraus wir fol gende artiſtiſche Perſonalbeſchreibung anfüh⸗ ren:Eduard Lewy, Horniſt. Gewa chſen: Allen andern Horniſten über den Kopf. Alter: Jung, die wahre Kunſt iſt ewig jung. Reiſt: Reißt Alles hin. Mit ihm reiſen drei Genien der Kunſt und der An⸗ muth. 1.) Melanie Lewy. Ein kleiner Harfen-David, welche die größte Goliath- pedalharfe bändigt, und ihr die lieblichſten Töne entlokt. 2.) Carl Lewy, ein klei ner Thalberg in spe, oder vielmehr ein klei nes Thalhügelchen, wird hoffentlich einſt alle, Berge überſteigen. 3.) Richard Lewy, genannt: Richard Lewy-Herz! Der kleinſte große Horniſt, ein wahrer Blaſeengel mit einem allerliebſten Mundſtüt! Wenn dieſer kleine Engel in ſein Horn ſtoßt, muß man unwillkürlich in die große Poſaune ſtoßen. Beſondere Kennzeichen. In dieſer