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Der Wanderer ſtebt ſtarr und athemlos, und wünſcht dle Stille zu ſein, um die Töne alle einſaugen zu können; er wünſcht die Fluth zu ſein, den Abglanz deines Bil— des aufzufangen— oder ſelbſt die Luft, um dich himmelan emporzuheben.—
Er hat nur Thränen, ſeine Gefühle auszudrü— ken. Seufzer ein Nachhall von Wohlklang, ie— der Wonneblik ein Zauberlaut hinrei— ßender Akkorde.—
So lange du ſingſt, ſchweigt er, hat aber dein Geſang die Seele erfüllt, iſt deine Stimme verhallt wie ein Gruß der Lie be: dann greift auch er in ſein Saiten— ſpiel, um dem mächtigen Zauber zu ant⸗ worten.—
Doch zu lebendig lebt ein Bild um ihn— in ihm; unerlauſchbar tönt es ihm fort und fort, und er fühlt, wie unmöglich es iſt, dich deiner würdig zu befingen.—
So wie einſt ein Djal ſeine Geliebte ver— herrlichte, wie der göttliche Hafis, wie Ferduſi— ſo möchte ich die Gedanken alle, die je eines Dichters Bruſt ent— flammt, in mir vereinigen, um dir, o Henriette! für die Wonne zu danken, die deine erhabene Kunſt über mich er— gießet. Mirza Muharem.““
Mailand. Italien iſt um ein muſikaliſches Meiſterwerk reicher gewor— den, Mercadante hat ſich aufgeſchwun— gen zu der Höhe der erſten Kompoſito— ren der Heimath des Sanges; ſeine am 10. d. M. in dem k. k. Theater alla Scala zum Erſtenmale in die Sze—⸗ ne gegangene Oper„II Giuramentobe,
(Text v. Roſſi, nach V. Hugos„An⸗
gelo“ bearbeitet) verdient den ausge—
zeichneteſten Schöpfungen Roſſini's und
Bellini's gleichgeſtellt zu werden. In
ihr gibt ſich wahre Begeiſterung kund,
in ihr iſt deutſche Kraft u. Harmonie mit italieniſcher Zartheit und Melo⸗ die vereint; Neuheit der Gedanken, höchſt gelungenes Tongemälde der wech— ſelnden Phaſen der Handlung, kein mu— ſikaliſches Feuerwerk, das für den Au— genblik blendet, und ſchnell verpla— zend nichts hinterläßt, ale— Pulver—⸗ dampf, nein, eine die tiefſten Korden
Dir ſind Thränen Perlen, jeder.
der Seele anregende muſikaliſche Dich⸗ tung, die Kopf u. Herz unwiderſtehlich, ſelbſt noch in der Erinnerung, feſſelt, dies ſind die Vorzüge des„Giuramen- to.“ Keines der vielen Muſikſtüke der drei Akte iſt nicht werthvoll, die mei— ſten tragen den Stempel der Klaſſizi— tät. Aber auch die Darſtellung war klaſſiſch. Mad. Schoberlechner, Eloiſa, entfaltete nicht nur ihr anerkanntes hohes Talent als Sängerin, auch als Schauſpielerin entwikelte ſie eine Grö— ße, die zu den ſeltenſten gehört. Dieſe Künſtlerin wußte einen Effekt, einen Enthuſtasmus zu ſchaffen, deſſen Zau— ber nur einer Malibran zu Gebote ſtand. Dem. Marietta Brambilla, die H. H. Cartagenova u. Pedrazzi ſtanden ihr würdig zur Seite.(Echo.)
Mignon. Zeitung.
Wien. Der Gouverneursſtellver— treter der öſterreichiſchen Nationalbank, Großhändler u. Bankier, Ritter von Steiner, iſt mit Tode abgegangen, und hinterläßt, ohne Frau und Kin— der, anderweitig Beſreundeten ein un⸗ geheures Vermögen. Die Größe deſ— ſel ben läßt ſich ahnen, da er einzelne Legate von 500,000 fl. gemacht hat; Sachkundige ſchäzen die Verlaſſenſchaft auf zehn Mill. Gulden. Korreſp.
Meſſina. Ein Schiff, das von Livorno mit einer Ladung Manufak— turwaaren nach Meſſina beſtimmt war, beſtand in Malta die in Sizilien er⸗ forderliche Quarantalne. Der Kapftän benüzte ſeinen Aufenthalt in Malta, um die ihm anvertrauten Güter unter der Hand zu verkaufen, und nach Ver— lauf der Quarantänefriſt ging er bei ziemlich ſtürmiſcher Witterung in See, um ſeine Reiſe nach Meſſina fortzuſe— zen. Nachdem er eine Zeit lang auf den Wellen umhergetrieben worden war,


