Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
187
 
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Es würde unpaſſend ſein, wenn ich Alles erzählen wollte, was in die⸗ ſer Zuſammenkunft ſich zutrug; aber wir ſprachen über eine Geſchäftsſache und dann ging dle Unterhaltung mehr in's Allgemeine. Sie werden ſich erinnern, daß Sir Walter Scott noch immer der Unbekannte war, und daß man glaub te, er ſei in Paris, um Daten zu dem Leben Napoleon's zu ſuchen. Ungeach tet des erſten Umſtandes ſprach er mit großer Offenheit und Einfachheit von ſeinen Werken, und ohne das Gepränge, mich um Verſchweigung des Geheim niſſes zu bitten. Kurz als er in dieſem Tone zu ſprechen anfing, wurde von uns beiden auf ſeine Autorſchaft angeſpielt, gerade, als wenn ſie nie zur Re chenſchaft gezogen worden wäre. Er fragte mich, ob ich ein Exemplar von bei mir hätte, und da ich ihm geſtand, daß ich nicht einen Band beſäße von Allem, was ich geſchrieben hätte, lachte er und ſagte: er glaube, daß die meiſten Autoren über dieſen Gegenſtand daſſelbe Gefühl hätten; was ihn be träfe, ſo läge ihm nichts daran, wenn er in ſeinem ganzen Leben keinen Wa verley wieder zu Geſicht bekäme. ö

Er ſaß beinahe eine Stunde bei mir und zeigte, ſo lange die Unterhal tung nicht an Geſchäfte gefeſſelt war, einen ſtarken Hang zur Laune. Als er Gelegenheit fand, unſern gemeinſchaftlichen Verleger in Paris zu erwähnen, nannte er ihn artig mit einer Art von boshaftem Scherz: unſer Gosling, hinzufügend, er hoffe, daß er am Ende goldene Eier legen wurde.

Ich hoffte, daß er die Erleichterungen, welche er wünſchte, gefunden hätte, um Daten zur Förderung ſeiner Geſchichte zu erhalten. Er zauderte etwas, dies zuzugeben.

Auf dem Wege der Anekdote, ſagte er, kann man ſo viel erfahren, als man wünſcht; aber dann, als Mann von Bildung(gentleman) iſt man nicht immer ſicher, wie viel davon man ſchiklicherweiſe in einem Buche erzäh len kann: überdies indem er all' ſeine verborgene Laune in den Ausdruk ſeiner kleinen grauen Augen ſezte man möchte ſelbſt zweifelhaft ſein, wie viel von dem, was man hört, für Geſchichte in einer anderen Beziehung paſſend iſt.

Er hielt inne und ſein Geſicht nahm den Ausdruk einer ausnehmend vertrauenden Einfachheit an, als er mit vollkommener Zuverſicht(bonne foi) und ſtark ſchottiſchem Gefühle ſprach:

Ich wollte meinen Landsmann M. Donald beſuchen und ich denke, das wird ziemlich Alles ſein, was ich jezt thun kann.

Dies äußerte er mit ſo viel Naivetät, daß ich kaum glauben konnte, das ſei derſelbe Mann, welcher einen Augenblik vorher ſo viel boshaftes Miß trauen gegen mündliche Mittheilung von Thatſachen gezeigt hatte.

Ich fragte, wann wir das Werk erwarten dürften.

Im Laufe des Winters, antwortete er, obgleich es wahrſcheinlich größer wird, als ich Anfangs beabſichtigte. Wir haben verſchiedene Bände dru⸗ ken laſſen, aber ich finde, daß ich zu der Sache noch bedeutend zugeben muß, um ſie abzufertigen. Ich dachte, ich würde es mir in ſieben Bänden vom Halſe ſchaffen, welche bereits geſchrieben 1 aber ich glaube, es wird ſich zu neun ausdehnen.

Wenn Sie noch zwei zu ſchreiben haben, ſo werde ich wohl das Buch vor Frühling nicht zu ſehen bekommen.