Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
182
 
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Wäbrend dieſer Anſtalten fängt der Feind an, auf uns einzudringen. Der General Herbſt kommandirt die Avantgarde, und kommt quer über die Haferſtoppeln marſchirt. Unter ihm kommandiren die Brigadiers Regen, Wind und Hagel. Der Brigadier Wind kommandirt die leichten Truppen, und rükt zuerſt an. Er ſucht in den Feſtungen einzudringen; da man ſie aber feſt ver wahrt hat, und ihm dies nicht gelingen will, ſo fängt er an, zu ſtürmen. Manches Haus wird durch ihn beſchädigt oder gänzlich demolirt, doch richtet er im Ganzen nichts aus. Hierauf vereinigt er ſich mit dem Brigadier Regen, und läßt in die gemachten Beſchädigungen, beſonders im Dache, ſo viel Trup⸗ pen(Tropfen) eindringen, als möglich. Kann man nun dies Eindringen nicht hemmen, ſo muß man ſeine Poſition dem Feinde überlaſſen und ſich zurük ziehen. Zugleich ſucht der Brigadier Regen die Zufuhr abzuſchneiden, indem er ſich ſtark in den Landſtraßen und Wegen lagert und ſelbige unfahrbar macht. Dies fruchtet jedoch Alles nichts, und ſie ſehen ſich genöthigt, den Brigadier Hagel, welcher die Artillerie befehligt, mit zu Hilfe zu nehmen. Dieſer fängt dann an, Breſche zu ſchießen, und wenn man die Fenſter, welche durch den Briga⸗ dier Hagel eingeſchlagen ſind, nicht gleich verſtopfen oder verkleben kann, ſo dringen Wind und Regen mit ſolcher Schnelligkeit und Gewalt ein, daß man den Plaz übergeben muß. 5

Dieſe Angriffe kann man jedoch immer noch ertragen, aber nun kommt der Winter mit der Hauptarmee an. Unter ihm kommandirt der General Froſt, welcher die Pontons und Modderbrüken mit ſich führt; der General Schnee mit den leichten Truppen, und der Parteigänger Glatteis, welcher Manchem Hals und Bein bricht. Die Generale Froſt und Schnee laſſen die Wege, die durch den Brigadier Regen verdorben, wieder ausbeſſern und Brüken über Flüſſe und Seen ſchlagen, um den Feſtungen ungehindert ſich nähern zu können. Ihre ſtärkſten Angriffe geſchehen gewöhnlich des Nachts, und in der Dämme rung vor Sonnenaufgang. Man ſucht dieſe Angriffe durch warme Kleidung und Betten zurükzuſchlagen. Der Feind rükt uns aber immer näher auf den Leib. Man ſieht ſich genöthigt, die Kamine ſpielen zu laſſen; dies Feuer aber iſt nicht ſtark genug. Wir werden immer mehr zurükgedraͤngt und wollen uns ſchon an unſern Alliirten, den Ofen, anſchließen. Plözlich wird die feindliche Kolonne von einer böſen Krankheit befallen; das Thau-Wetter rafft den größ ten Theil davon hinweg. Hält die Krankheit lange an, ſo kann ſie ſelbſt für uns gefährlich werden, weil die vielen Feinde, welche durch ſie hingerafft wur den, unbeerdigt liegen bleiben müſſen, und die Dünſte, welche von denſelben aufſteigen, Faulfieber u. dgl.m. erzeugen können. Der General Froſt rükt jedoch bald wieder mit neuen Truppen an, beſſert mit den Leichnamen die Wege aus und baut Brüken davon. Täglich wird ſeine Wuth größer. Man fängt an, den Feind aus den Oefen zu beſchießen; er ſchließt uns aber deſſenungeachtet im⸗ mer enger ein. Um ihn zu überzeugen, daß man ihn nicht fürchtet, ſtellen die Belagerten Bälle und Aſſembleen an; es werden Opern und Redouten ge geben. Die Alten und die Armen ſchiken dagegen häufige Deputationen an den Sommer, daß er kommen und ſie von einem grauſamen Feinde befreuen ſolle.

Der Feind rükt immer ſtärker heran; an Ausfälle,(nach den verſchie denen Veluſtigungs⸗Orten der Umgegend) iſt durchaus nicht zu denken! Man könnte Naſen und Ohren dabei einbüßen.