Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
180
 
Einzelbild herunterladen

180

Präſi dent: Auch noch Ueberſchuhe, das iſt ſehr ſchlimm.

Martini: Und außerdem habe ich auch noch ein Paar Pantoffeln geſtohlen.

Präſident: Das! Tribunal wird ein ſo freimüthiges, offenes Ge ſtändniß zu würdigen wiſſen; allein das Gericht iſt doch erſtaunt über die große Zahl der Gegenſtände, welche Ihr genommen habt; es gehört eine unge wöhnliche Kühnheit dazu, gleichſam einen ganzen Laden auszuplündern, ohne ſich einzubilden, dabei ertappt zu werden.

Martini: Ja, das war es ja eben, mein Herr, die Furcht, nicht erwiſcht zu werden, und ich war entſchloſſen, das ganze. Haus auszuplündern, bis Jemand dazu gekommen wäre, ein Kind hätte mich arretiren können.

Präſident: Welchen Beweggrund hattet Ihr aber, ſo zu handeln?

Mart ini: Den ganz einfachen, daß ich ſeit zwei Tagen nichts ge geſſen hatte und nicht wußte, wo ich mein Haupt zur Ruhe niederlegen ſollte; ich beſchloß daher, zu ſtehlen, um im Gefängniß Nahrung und eine Schlaf ſtelle zu erhalten.

Präſiden t; Wart Ihr ſchon einmal verurtheilt?

Der Staatsprokurator: Es liegt nichts im Geringſten gegen den Angeklagten vor.

Martini: Ich habe niemals irgend Jemand Unrecht gethan; ich bin 50 Jahre alt; ich habe niemals Paris verlaſſen und hätte ich noch die ge ringſten Mittel beſeſſen und wäre nicht ſo hungrig geweſen, ſo.

Das Tribunal verurtheilt den Angeklagten zu 14 Tagen Gefängnißſtrafe.

Martini wird bei dieſem Spruch ganz beſtürzt, er ſtrekt bittend ſeine Hände zu den Richtern aus und ſpricht:Ach, meine Herren, vierzehn Ta ge, eine ſo kurze Zeit, wie ſchnell gehen dieſe vorüber. Sie hätten wohl ein Uebriges thun und mich für die gewiß nur kurze Dauer meiner Lebenszeit einſperren laͤſſen können. G.

Die amerikaniſchen Frauen.

Ein armer, aber junger, kräftiger und wohlgebildeter Engländer, der erſt vor Kurzem gelandet war, reiſt durch Virginien und wird in dem Hauſe einer jungen, ledigen und ſchönen Plantagenbeſizerin aufgenommen. Dieſe junge Dame iſt Eigenthümerin von 200 Akres Landes, eines Farmhauſes (Bretterhauſes) eines alten und vier junger männlichen Sklaven, welche lez⸗ tere mit ihr aufgewachſen ſind. Der junge engliſche Glüksjäger wird gut be⸗ handelt; er gefällt ſich, findet ſeine junge Wirthin reizend, verliebt ſich in ſie, und glaubt hier ſein Glük zu gründen. Seine Wünſche werden erhört und das junge, unabhängige Mädchen gibt ihm ihre Hand. Er findet aber bald, daß er mit ihrer Hand nicht auch die Herrſchaft über ſie gewonnen hat. Sie gebietet nach wie vor in ihrem Hauſe unumſchränkt, und die Sklaven gehorchen nur ihr, wenn der Herr Gemahl auch Gegenbefehle gibt. Daraus entſtehen bald ernſtere Szenen. Der Herr Gemahl will den Sebieter ſpielen, und droht nicht ſelten mit ernſthafter Züchtigung, aber alle ſolche Drohungen werden immer verlacht. Endlich vergißt er ſich einmal ſo weit, daß er ſeiner Gattin eine Ohrfeige gibt.