Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
172
 
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Man hat mancherlei verſucht, um die nach Siblrien berurtheilten Ko loniſten an ein ſeßhaftes und arbeitſames Leben zu gewöhnen, allein keiner von allen bis jezt eingeſchlagenen Wegen hat ſich als zwek mäßig erprobt, weil der Müßiggang dieſen Verbrechern zur zweiten Natur geworden, und ihnen nichts ſo verhaßt iſt als Arbeit.

Der muthige Matroſe.

Die Mannſchaft eines Handelsſchiffes war von den Indianern am Lande an der Weſtküſte von Amerika ermordet worden. Nur fünf Manns überlebten die Mezelei. Einer von ihnen, Lewis genannt, ſchikte die vier andern in einem Boote fort, um ihr Heil in der Flucht zu ſuchen, und blieb allein am Bord. Bei Tagesanbruch lag das Schiff noch vor Anker; die Segel flatter ten im Winde, aber Niemand zeigte ſich auf dem Fahrzeuge. Nach einiger Zeit wagten ſich einige Vöte hinan und nahmen den Dolmetſcher mit ſich. Sie ru derten um das Schiff herum, hielten ſich aber aus Vorſicht in einiger Ent⸗ fernung; aber allmälig wurden ſie kühner und kühner, da ſie das Schiff ruhig und unbeweglich bleiben ſahen. Endlich zeigte ſich ein Menſch auf dem Ver deke, und wurde von dem Dolmetſcher als Lewis erkannt. Dieſer lud ſie ein, an Bord zu kommen, konnte ſie aber lange nicht dazu beſtimmen. Diejenigen, welche endlich hinaufſtiegen, fanden kein Hinderniß und ſahen Niemanden, denn Lewis war wieder verſchwunden. Da füllte ſich das Verdek bald mit An- dern, die nach Raub und Beute verlangten und von allen Seiten emporklet terten. Aber mitten in ihrem Eifer und ihrer Freude ſprang das Schiff mit einem furchtbaren Knalle in die Luft; Arme, Beine und verſtümmelte Körper wurden emporgeſchleudert und die Böte in der Nähe faſt alle vernichtet. Der Dolmetſcher, welcher ſich im Augenblike der Exploſion auf dem Verdeke befand, wurde ins Meer geworfen und erreichte wohlbehalten ein Boot. Nach ſeiner Erzählung von dem ſchreklichen Vorfalle gewährte die Bucht einen entſezlichen Anblik. Das Schiff war verſchwunden, das Meer aber mit den Trümmern deſſelben und denen der zerſtreuten Böte bedekt; viele Indianer ſuchten ſchwim mend dem Tode zu entgehen, und andere gaben ihren Geiſt auf, während die von der Gefahr verſchont Gebliebenen wie verſteinert daſtanden. Ueber hundert Wilde verloren bei dieſer Exploſion das Leben; eine noch weit größere An zahl war gräßlich verſtümmelt, und noch mehrere Tage nachher warfen die Wellen die Glieder und Körper dieſer Unglüklichen an den Strand.

Die Almoſenſammlerin.

Es war in Neapel. Ein armer Tänzer, Durante, den hinter der Kou liſſen des Theaters San Carlo der Schlag rührte, hinterließ ſeine Frau und Kinder in dem ſchreklichſten Elend. Eine Künſtlerin von demſelben Theater verſprach zuerſt der Wittwe des Tänzers, zu ihrem Vortheile zu ſingen, ſchäͤzte dann jeden ihrer Freunde nach ſeinem Vermögen ab und ſtellte ſich, diesmal ſtolz auf die Gunſt, welche ſie bei Hofe genoß, dem Könige von Neapel vor.Sire, ſagte ſie zu ihm,ich ſammle, für die Familie meines un glüklichen Kameraden Durante.Ich ſehe, Signora, Ihr Herz iſt eben