Lebuler Habe a.
22. Sonnabend, 18. Januar.* 1832.
„ 1 rer.
IL. Ga mi s
Sie war ein ſchlaues Geſchöpf. Sie trieb gern ihr Spiel mit Männern. Mit ihrer Mutter wohnte ſie gegenüber einem Hauſe, wo viele junge Herren aus⸗ und eingingen.
Camilla legte eine intereſſante Sammlung an; ſie ſammelte Liebesbriefe und hatte deren in allen Sprachen. Ihre Chatulle war voll davon; ihr 21. gebuch wimmelte von Notizen, Siege über männliche Herzensfeſtungen betref— fend. Weil ſie Alle lieben wollte, liebte ſie Keinen wahrhaft. Vornehme und bürgerliche Jünglinge zogen an ihren Triumpfwagen und ſtanden mit ihr in einem ununterbrochenen Verkehr. In der Nähe ihrer Wohnung ſah man bald da, bald dort Transparente; ein außerordentlich großes Herz ausgeſchnit— ten und in Flammen ſtehend oder einen Amorspfeil, nach ihren Fenſtern ge— richtet u. dgl.— Sogar Verſe mußten hier Sklavendienſte leiſten; die Pointe von Vers und Transparent aber war ſtets Camilla.
Die ſchwache Mutter durfte nur zuſehen.
Was Camilla den Männern gab?— im Allgemeinen eine Haarloke.— Wohl zweihundert Männer mochten Fragmente ihrer Haare haben und bewun— derungswürdig war ihr reicher, raſcher Lokenwuchs, der bei einem andern Mäd— chen, tagtäglich alſo ausgeplündert, ſich gewiß nur ſpärlich gezeigt hätte. Die Haare mußten über Nacht einen halben Zoll höher anwachſen, ſollten ſie für längere Zeit auslangen. Häßliche Kokette.
Und Camilla war ſchön. Eine Geſtalt, ſchlank wie der Gazelle Wuchs, ein Geſicht, worin reizende Züge ausgeprägt, reich an natürlichem Karmin; die Augen gefärbt im Himmelsblau, die Loken eine Lacht von Liebe, zwei Reihen Zähne, blendend wie Schneekriſtalle— die ganze Geſtalt ein Bild von Geſundheit. Sie trug ein hochrothes Sammetkleid, einen ſchwarzen Sam—


