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der„Birn“ unter ſeiner gewöhnli⸗ chen Leitung ihr Ende erreicht haben. Nur zu ſeinem Vortheile wird Hr. Strauß, der Kanzler des Tanzordens, einige wenige Male von jenem neuen Plane Ausnahme machen, und Bälle blos zu ſeiner Benefize veranſtalten. Hr. Fahrbach wird die Leitung der Muſik bei der Birn, als Nachfolger Johann Strauß's, des Erſten, über— nehmen.— Kaum iſt der Faſching zu Ende und ich denke zurük an den Tanz und denke in die Zukunft des Tanzes. Hr. Strauß iſt aber auch ein Mann! Ich habe mir ihn zu einem poetiſchen Geliebten auserkieſen. Platen hatte einen Liebling, den er beſang in ſeinen marmorglatten Sonetten und ich will mir den Strauß wählen!— Ein jeder ſeiner Walzer gibt ein Sonett. Doch was nüzten die Sonette?— Strauß ſpielt nun nur ſelten und wie ſoll er die tanzende Menſchheit befriedigen; es wäre denn, er ſpielte auf einer grünen Wieſe in dem herrlichen Tanz— ſaal des ewigen Herrn und verbände hier Jung und Alt, Freund und Feind! — Wahrhaft bedauernswerth iſt es, daß am 10. Mai die Menagerie des verſtorbenen Hermann van Aken im Licitationswege verkauft werden ſoll. Dieſe Menagerie, eine der ſchönſten und intereſſanteſten, ſoll nun zerſplit— tert werden; die einzelnen Thiere, darunter viele in einem außerordentli— chen Grade gezähmt, zerſtreut und die jahrelangen Mühen und Aufopferun⸗ gen des Verblichenen ſo zu den gering— ſten Preiſen öffentlich feilgeboten werden! Es wäre zu wünſchen, daß irgend ein Liebhaber dieſes herrliche le— bendige Muſeum ganz an ſich brächte; ſolch eine Verlaſſenſchaft iſt eine hei— lige, es handelt ſich um das Intereſſe der Wiſſenſchaft und mein Wunſch iſt der: dieſe Menagerie möge in unſerer Kaiſerſtadt Weichbilde bleiben! Es iſt
traurig, daß Frau dan Aben, well ſie ſich nach ihrem Ausdruke in Ruhe⸗ ſtand begeben will, nicht lieber einen Käufer für das Ganze ſuchte, ſtatt dasſelbe dem ungewiſſen Erfolge einer Lizitation zu überlaſſen.—„Die ge— fährliche Tante“— ein neues Luſt⸗ ſpiel von Al bini, in unſerm Burg⸗ theater dargeſtellt, gefällt ſehr. Wie ſpielen aber Dlle. Müller und der humoriſtiſche Wilhelmi!— Die Müller iſt eine unvergleichliche Schauſpielerin; dieſe Grazie weiſet uns erſt das Weſen eines Frauenzim⸗ mers und es iſt erklärlich, daß Jeder, der dieſe Müller auch nur einmal ſah, ſie niemals vergißt. Von den Hofſchau— ſpielern hat die böſe Grippe ſieben auf das Krankenlager geworfen; dar— unter die Damen Fournier, Anſchütz und Piſtor. Und doch ſieht oder bemerkt man kein Stoken im Repertoir! Iſt das aber auch eine Anſtalt in Deutſch⸗ land, wie es keine zweite gibt. Sincerus. Buntes aus Paris. Die jezt eröffnete Pariſer Kunſtausſtellung zählt 2150 Nummern.— Zu Verſae, im franzöſiſchen Departement Aveyron, fand kürzlich ein weiblicher Aufſtand Statt. Ein widerſpenſtiger Rekrut, der im Felde mit den Weibern arbei- tete, ſollte verhaftet werden. Die Weiber widerſezten ſich, und der Gen⸗ darme mußte ſich, ſchwer verwundet, entfernen. Mehrere Gendarmeriebriga— den eilten herbei, konnten aber des Rekruten nicht habhaft werden; dafür führten ſie 5 bis 6 aufrühreriſche Wei— ber ins Gefängniß ab.— Hr. Mon⸗ rue Robinſon, ein berühmter Inge— nieur aus Amerika, iſt in Paris an⸗ gekommen. Er iſt unter allen Inge- nieuren der Welt derjenige, der die meiſten Eiſenbahnen gebaut hat.— Seit der Julirevolution ſind 6718 neue Geſeze gemacht worden. Dieſe


