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Prokurator zugeſchikt,
der ſich mit dem Inſtruktionsrichter ſogleich an Ort
und Stelle begab. Die Familie betheuerte ihr Unglük zum Drittenmale. Dem königl. Prokuratur gingen indeß einige Zweifel bei. Der Inſtruk⸗
tionsrichter drang in den jungen Mann; dieſer widerſprach ſich
wurde verle⸗
gen, ſtokte und erklärte endlich, das erzählte Verbrechen ſei nur erdichtet wor—
den.
Ein Gläubiger habe ſie gedrängt;
ſie hätten denſelben nicht befriedigen
können, und den Diebſtahl erdacht, um ſein Mitleid zu erregen und Nachlaß
der Bezahlung zu erlangen.
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Brod ohne Krume, Kranz ohne Blume, Spiegel ohne Glas, rathe 1 iſt das?
Ansichten. Urtheile Gegen
Theater.
Wien. Der Gegenſtand der all⸗ gemeinen Sehnſucht unſers muſiklieben— den Theaterpublikumes, Dem. Leu— tzer, iſt nun für die Hofopernbühne als engagirtes Mitglied gewonnen, und wird am erſten Juni, wo die Sai— ſon der italieniſchen Oper vorüber iſt, mit Dem. Klara Heine fetter hier eintreffen, ſo daß man, bei noch an— deren eingeleiteten Engagements, ei— ner genußreichen Epoche entgegen ſehen darf. Dem. Lutzer hat 5000 fl. C. M. Gehalt, und mit den Benefizen und der bedungenen jährlichen Urlaubszeit ſteigt derſelbe wohl bis zu einem Aequivalent von 8000 fl..
Karlsruhe. Ueber Dem. Sche— beſt als Norma ſagt die Karlsruher Staats⸗Zeitung unter Anderm Folgen⸗ des: Die Künſtlerin hat als Norma ein Gemälde aufgeſtellt, worin Kom— poſition, Zeichnung, Kolorit, Licht und Schatten ihre eigenthümliche Schö— pferkraft verkündeten, die ſich in den leichteſten Umriſſen, wie in den herr— lich ausgeführten Schönheiten ihres
unvergleichlichen Charakterbildes kund gab, in welchem reiche Phantaſie und poetiſche Auffaſſung glänzend hervor— traten. Es war nicht das Werk der Reproduktion, es war nicht mehr Bel— lini's Norma, die uns entzükte, be⸗ zauberte und zur Bewunderung hinriß; die Künſtlerin hat dieſen Charakter ſelbſt geſchaffen und mit genialer Kraft in hoher Vollendung ausgeführt. Ge— wiß ſprechen wir daher im Enverſtänd— niß aller Freunde des dramatiſchen Ge— ſanges den Wunſch aus, daß Fräulein Schebeſt während ihres Gaſtſpiels auf hieſiger Bühne nochmals als Norma auftreten möchte.
Mignon. Zeitung.
Feuilleton aus Wien. (Dritte Lieferung.). Es wird eine ganze neue, aber traurige Nachricht für alle Schönen Wiens ſein, wenn ich ihnen hier im„Spiegel“ mittheile, daß Strauß, der Unausſprechliche, für kommenden Karneval und bei anderen Gelegenheiten nicht mehr publik ſpie— len wird und daß die Amuſements bei


