Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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ich 25 Mal angeſehen hätte muß meiner Meinung ſein. Was die Dar ſtellung betrifft, ſo war ſie eine der gelungenſten dieſes Theaters. Vor Al lem verdient unſer trefflicher Weiß, zu deſſen Benefize das Stük gegeben wur de, einer mehr als auszelchnenden und lobenden Erwähnung. Hr. Weiß iſt als Schauſpieler, Komiker und Sän ger gleich ausgezeichnet, daher konnte es ihm gar nicht fehlen, daß er ſich in kurzer Zeit die Gunſt des Publikums in einem hohen Grade erwarb. Hr. W. wurde bei jeder Gelegenheit beſonders ausgezeichnet, und ſeine ſelbſt bei der kleinſten Rolle, angewandte Mühe, ſein eiſerner Fleiß, ſein raſtloſes Beſtreben, verdiente auch die Auszeichnung, die ihm zu Theil wurde. W. ſtand hoch in der Gunſt, aber Raimund hat den Himalaja der Gunſt erreicht, und W. ſollte als Valentin, wenn auch nicht dieſe Höhe, doch dieſen Berg erreichen! Es war eine ſchwere, ſehr ſchwere Auf gabe, aber das Selbſtbewußtſein, das Vertrauen auf ſeine oft erprobte Kraft, die Nachſicht des Publikums und das ehrende Vorbild gaben ihm den Muth, das Schwerſte zu wagen, und wer wagt, hat halb gewonnen. Hr. W. leiſtet als Valentin Außerordentliches. Sein Va⸗ lentin muß ein Studium längerer Zeit ſein, denn ſein Spiel war ein überleg⸗ tes, ſeine Nuancen waren durchdacht, ſeine Bewegungen berechnet. Er zeigte ſich im dritten Akte als ein Ge⸗ fühlsmenſch, denn Alles, was er ſprach, konnte man mit deutlichen Zügen in dem Geſichte leſen. Was er ſprach, das fühlte er. Mögen Andere den Triumph, den Hr. W. an dieſem Abende feierte, zu ſchmälern verſuchen; es genüge ihm die Auszeichnung, die ihm das Publi kum zu Theil werden ließ, indem er über 12 Mal gerufen wurde. Durch dieſe Leiſtung aber zeigte Hr. W. ſei ne Achtung vor dem Dahingeſchiedenen

und ſein Werk. Ich ehre und achte ſolch Beſtreben, und nur mit Entſchieden⸗ heit muß man die Gallfucht auszurot⸗ ten und der Afterkritik entgegenzu⸗ ſteuern ſuchen. Die übrigen Mit- wirkenden ſind ſo wie ihre Leiſtungen bekannt und ſchon früher beſprochen worden, bis auf Delle. Gröſſel(Che⸗ riſtane), die Manches und Vieles zu wünſchen übrig ließ..

Preßburg. Dem. Peroni, vom Peſther Theater, eröffnete am 5. März ihre Gaſtrollen auf hieſiger Bühne. Sie trat in den beiden Luſtſpielen: die Königin v. 16 Jahren undder Hirſch anf. Die Aufnahme v. Seite des Pubik ums war außerordentlich gün⸗ ſtig. Sie ward lebhaſt begrüßt, erhielt vielen Beifall und ward zweimal ſtür⸗ miſch gerufen.

Muſik.

Prag. In unſerer wohlthätigen Stadt ward eine intereſſante muſika⸗ liſch-deklamatoriſche Akademie veran⸗ ſtaltet, deren bedeutendes Erträgniß von 1550 fl. W. W. dem hieſigen iſraeliti ſchen Hoſpital gewidmet wurde und um deren Arrangement die H. H. Dr. Feiſt⸗ mantel, Hoffmann und Lippmann, in Gemeinſchaft mit den hieſigen Groß handlungs-Aſſocies, den Herren Leo pold und Adam Pollak die ſchon oft mals der guten Sache ihre hilfreiche Hand liehen bemüht waren. Es war ein ſchönes Zeichen von Loyalität und Toleranz unſerer Zeit, daß in der Künſtlerwelt berühmte Namen zum Be ſten einer jüdiſchen Anſtalt mitgewirkt hatten. So ſang Dem. Jeny Lutzer eine Arie von Perſiani mit ihrer be zaubernden Glokenſtimme; Hr. Mert lick, der bekannte Harmonika-Virtuoſe, ſpielte ein Potpourri; der beliebte Pia⸗ niſt, Hr. Hoffmann, trug mit dem wa