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derſtehen können und als gehorſame Tochter gehandelt; was half es ihm, daß ſie nach dem Himmel wies und ihn zu dulden ermahnte, wie ſie dulde;— ſeinen andern Himmel, ſeinen Erdenhimmel hatte er auf immer verloren.
Früher als gewöhnlich verließ er ſein Haus.“ Als er am Nachmittag in den Gaſthof kam, hörte er auf ſeine Fra daß die Fremden bereit mittag abgereiſt ſeien. Er verlangte, u bee einem Borwande, n Zimmern geführt zu werden, in denen ſie logirt hatten. Alles öde und lee Zitronenblätter waren an den Scheiben ihres Fensters befeſtigt z dem Trauernden: Lebe wohl!
Der Bediente, der ihn in das Zimmer geführt hatte, ſah verwundert dem Treiben des Arztes zu, der die Blätter vorſichtig von den Scheiben löſte, ſie in ein Papier faltete und in ſeiner Buſentaſche verbarg. Dort lagen ſie, nicht weit von dem Orte, wo ſo manche Freude und ſo mancher e be⸗ graben lag,— an ſeinem Herzen.
i Lebe wohl! ſprach er mit tonloſer Stimme, während er Ane Thräne in ſeinem Auge zerdrükte und ging gedankenvoll von dannen.“
(Beſchluß folgt.)
ſie ſagt
Was iſt ein ſchoöͤner Zug.
Wenn eine Oper ſo zieht, daß ſie wie z. B.„die Ballnacht“ ſo und ſo viel volle Häuſer macht.— Wenn ein abgemergelter Gaul eine Geſellſchaft von 12 Perſonen auf den Schwabenberg zieht und ſie mit 12 Räuſchen zurük⸗ bringt.— Wenn Jemand der noch für jung gelten will, vor einer ſchönen Dame den Hut abzieht, daß die kleine unmerkliche Haartour mit herunter geht.— Wenn ein ſchönes Mädchen Aller Augen auf ſich zieht und doch nur Einen vorzieht.— Wenn in der Lotto-Ziehung der Waiſenknabe des Le— ſers Loos mit dem größten Gewinne zieht.— Wenn es in einem ſchlechten Stüke durch Fenſter und Thüren ſo zieht, daß noch vor Ende des Stükes alle Zuſchauer davon laufen.— Wenn dieſer Artikel die Leſer ſo anzieht,. ſie eine Fortſezung wünſchen. f 5
Ansichten. urcheil⸗ e
Einheiten des Ariſtoteles, ja nicht ein⸗ mal Klaſſizität fordern, ſondern ſich nur mit der möglichen Wahrſcheinlichkeit zufrieden ſtellen, gefällt„der Ver—
Theater.
Wien(5. März). Ich muß Ih⸗
nen, Herr Redakteur, von der Vorſtel— ſtellung des„Verſchwenders“ im Leo⸗ poldſtädter Theater berichten, der man mit geſpannter Erwartung entgegen ſah.— Perſonen, die von einer Poſſe nicht Gediegenheit der Sprache, die drei
ſchwender.“ Ich muß geſtehen, ich ge— höre auch zu denen, welche„der Ver— ſchwender“ ganz vorzüglich amüſirt. In Peſthiſt„der Verſchwender“ 12 Mal gegeben worden, hier in Wien 95 Mal, und wer den„Verſchwender“ ſo wie
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