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temps, der große Virtuoſe auf der Violine, ſpielte zum Vortheile unſers gewiß auch ſehr ausgezeichneten Vio⸗ lin⸗Virtuoſen und indem jener dabei eine lobenswerthe Kollegialität, fern von allen kleinlichen Intereſſen bewies, verſchaffte er auch dieſem ein uner— meßlich volles Haus. Logen und Par— terre konnten den Andrang ſo vieler Muſikfreunde nicht aufnehmen und auch die Gallerien waren gedrükt voll,
ſelbſt von Perſonen aus der gebildete
ren Welt, die auf dem- Parterre un— möglich mehr Plaz fanden. Was gibt das für ein ſchönes Zeugniß für den Kunſtſinn der Bewohner der Haupt— ſtädte Ungarns!— Nach dem erſten Akte der Oper„Don Juan“, der uns ſchon klaſſiſch ſtimmte(vorzüglich waren darin Mad. Mink, als Donna Anna und Hr. Oberhoffer, als Don Juan) hörten wir die ſchöne Ouverture zu Webers„Euryante.“— Vieuxtemps ſpielte zwei Piecen, ein ſelbſt kompo— ponirtes Konzert u. Variationen von Ernſt. Beide ſind hier ſchon von ihm gehört worden; aber die Größe, Er— habenheit und Vollendung dieſes Vor— trages haben für die Hörer immer Neu— heit, immer Friſche. So ſahen wir noch nie Kühnheit mit Eleganz, Kraft mit Zartheit, Brovour mit Innigkeit ge— paart. Es ſprechen aus dieſem jungen Künſtler alle bekannten Celebritäten der Violine; er vereint in ſich die Vorzüge von Allen. Sechzehn Jahre iſt er alt, was wird er in ſeinem dreißigſten leiſten! Gibt es noch etwas Vollkommeneres als das Vollkommene?— Und doch, und doch wird er nicht da ſtehen blei— ben. Alles ſagt uns, daß er noch nicht an der Grenze iſt: o, lebte er, lebten wir noch in fünfzehn Jahren!— Der Beifall war endlos. Viermal nach ei— ner Piece iſt hier vielleicht noch kein Künſtler gerufen worden!— Die zehn— jährige Gabriele, Tochter des Benefi—
zianten, und Schülerin unſers treffli⸗ chen Herrn Bräuer, begann ein Rondo fürs Piano v. Kalkbrenner, leider aber ward dieſes allerliebſte Kind durch ein plözliches Unwohlſein an der Ausfüh— rung ihres Muſikſpieles gehindert, was uns noch um ſo bedauerlicher war, da uns der Genuß ihres ſchon ſo ſchönen und weit gereiften Spieles entzogen wurde.— Das Lied, vorgetragen von Hrn. Kaler, mit Klavierbekleidung von Hrn. Erkel, brachte die beſte Wirkung hervor.— Geſtern gab der junge Künſt— ler ein Konzert, zum Beſten des wohl— thätigen Frauenvereins, im großen Re— doutenſaale. Morgen im Theater. Am 4. d. M., zur Benefize des Hrn. Quandt, zum Erſtenmale:„Der Adept“, Trauerſpiel in 5 Akten von Franz Halm. Wenn eine klare u. tiefe Einſicht in das Innere der menſchlichen Natur; wenn eine Auffaſſung pſycholo— giſcher Zuſtände; wenn das Talent, ei⸗ ne Reihe ergreifender Situationen im magiſchen Wiederſcheine der Poeſie vor Augen entwikeln können; wenn eine lebensfriſche, markige, von lyriſcher Ueberladung wie von ſchaler proſaiſchen Verſelei gleich weit entfernte Diktion; wenn eine glükliche Benüzung des thea— traliſchen Effektes den Beruf zum dra— matiſchen Dichter beurkunden, ſo können wir den geſchäzten Dichter den erſten neuern Dramatikern unbedingt an die Seite ſezen. Zwar gibt es rükſichtsloſe u. nie zu befriedigende Beurtheiler, die unbekümmert um die Anſicht einer leicht beweglichen und leicht bewegten Menge, ihr kritiſches Sezirmeſſer ſchonungslos an den innerſten Orga— nismus eines Kunſtwerkes legen, um zu ermitteln, ob deſſen Struktur ihren herkömmlichen Theorien in allen einzelnen Theilen entſpräche. Sie unterſuchen, ob nicht der erhobene Streit, welche Idee der Tragödie zum


