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Die Brief t a ub e.
Unſer Jahrhandert iſt ſehr erfindungsreich; man weiß, daß jezt nicht mehr vierundzwanzig Stunden nöthig ſind, um ſich die Vörſen-Nachrichten zwiſchen Varis und London mitzutheilen; erfindungsreiche Spekulanten haben den poetiſchen Telegraphen der Brieftauben erſonnen. Die Vögel der Venus, die Boten der Juno, ſind nun beſtimmt, unter ihren Fittigen trokne Kauf⸗ mannsberichte zu tragen. In dieſen lezten Tagen flog eine Taube von Dover nach Calais durch die Nebel des Kanals, ſie wurde mit Sehnſucht von einem Spekulanten erwartet; er wartete auf Nachricht über die ſpaniſchen Papiere, und beſtieg von Ungeduld verzehrt einen Thurm, ohne den Gegenſtand ſeines Wartens zu erbliken. Zwei, drei Stunden verfließen, nichts!... Es wird finſter, der Spekulant verläßt troſtlos den Thurm und beklagt ſeinen Verluſt. Er kommt nach Calais zurük; indem er vor einem Gaſthauſe vorbeigeht, be— merkt er vor der Thür einen Haufen Taubenfedern. Der Spekulant war wie vom Bliz getroffen, eine Idee fuhr ihm durch den Kopf; er fragte den Wirth. „Woher kommt Ihnen dieſe Taube?“— Der Wirth erwiderte: vom Him— mel—„Vom Himmel!...“ ſagte der Spekulant mißtrauiſch,„es iſt eine engliſche Taube, nicht wahr?“— Es war mir unmöglich, ſie an ihrem Accent zu erkennen.—„Was hatte ſie unter den Flügeln?“— Sehr viel Fett.— „Elender! Eine Taube zu tödten! Was hatte ſie im Schnabel!“— Nichts; aber dieſen Abend beim Souper wird ſie einen Strauß Peterſilie im Schnabel haben.—„Gefühlloſer Menſch! Dieſe Taube war hunderttauſend Franks werth... ich will ſie ſehen!“— Ich habe ſie einem Kontrebandier verkauft, der nach Rouen reiſte.—„War ſie ausgenommen?“— Nein.—„Ich at hme wieder. Poſtpferde für Rouen! ſchnell Pferde!“ Der Spekulant holte den Kontrebandier ſechs Stunden von Calais ein, und bat ihn höflich ihm die Taube zu verkaufen.—„Sie kommen zu ſpät, ich habe ſie einem Förſter geſchenkt, der zwei Stunden von hier in einem Walde wohnt.“— Der Spe— kulant nahm ſchnell den bezeichneten Weg, und langte todtmüde bei dem För— ſter an.—„Ihre Taube, mein Herr, haben Sie ſie gegeſſen 2“— Iſt ſie etwa vergiftet? ſchrie der Förſter entſezt.—„Nein; aber ſie verbarg etwas in ihrem Innern, hier ſind hundert Louisd'or, geben Sie mir die Taube...““ Sie öffnen und durchſuchen war das Werk eines Augenbliks, ſie enthält ein Billet. Der Spekulant fiel vor Freude auf die Knie.— Das Büllet enthielt fol gende Worte:
„Ich bitte meinen Korreſpondenten von Calais, der Miß Clara Puff zu melden, daß es mit meiner Migräne etwas beſſer geht.“
Der Spekulant blieb erſtarrt auf ſeinem Plaze.
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Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
rektors und Soloſpielers Hrn. Tabors— Theater. ky ſtatt. Der geſchäzte Benefiziant hat— te ſich einen gewichtigen Fürſprecher
Peſth(8. März). Am 2. d. M. gewählt, deſſen Eloquenz ihm einen fand die Beneſize unſers Orcheſterdi- geſegneten Erfolg ſicherte. Vie u x—
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