Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
132
 
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Gelſt des Dichters athmete! Mad. Ka⸗ lis⸗Padjera, eingedenk ihrer künſtleri⸗ ſchen Stellung, die ſich frei von aller Imitation halten muß, gab eine Ori⸗ ginal- Schöpfung, nothgedrungen von dem Geiſte des Dichters, wie Dem. Peroni ihn zur Schau trug, abweichend, und ſo verdienſtlich dieſe Leiſtung in mancher Hinſicht auch war, ſo hat⸗ ten wir doch gewünſcht, daß unſere er⸗ ſte tragiſche Künſtlerin, ihre Kräſte etwas Gediegenerem aufgeſpart hätte, ſo wie es ihrem Gatten, als einem acht⸗ baren, denkenden und kunſtgebildeten Schauſpieler, entſprechender geweſen wäre, wenn er etwas Wärdigeres als die 12. Vorſtellung einer Wiener Volks⸗ poſſe zur Benefize gewählt hätte. Die Bicch- feiffer'ſche Muſe und namentlich die hier angeführten Stüke ſind zu be⸗ kannt, als daß wir noch etwas darüber ſagen ſollten. Die Darſtellung war gut, für den Gegenſtand faſt zu gut, Die gef. Phantaſie iſt unter den langweiligen Stüken Raimunds das langweillgſte, und wenn ich mich nun einmal langwellen wollte, ſo möchte ich mich doch lieber bei GoethesTaſſo langweilen. Das wäre doch wenigſtens eine geiſtreiche Langeweile. J. M.

Wien(22. Febeuar). Die Spitzeder⸗Vio iſt da und ſang zum erſten Male im Joſephſtädter-Thea⸗ ter, am 21, Febr. als Molinara in der gleichnamigen Oper von Paiſiello. Was ſoll man mehr bewundern an die⸗ ſer Frau? das herrliche Spiel, den ſuperben Geſang; jeder Ton eine Idylle, ein Schmelz, ein Flötenhauch, ein Feenlied aus Tauſend und einer Nacht, eine Grazie! eine Natürlichkeit! Sie ſang und ſpitelte entzükend ſchön, Ich habe die renommirteſten Sänge⸗ rinnen in jener Parthie gehört über die Spizeder⸗Vio geht mir nichts. Das Publikum jubelte und die nüch⸗ ternen Rezenſenten mit. Mad. Spiz e⸗

0 der wird ſich laͤngere Zelt in Wien aufhalten und ein halb Duzend Gaſt⸗ tollen geben. Hr. Mellinger, als Notar, wirkte neben der künſtleriſchen Saſtin ehrenvoll mit. Hr. Koch(Knoll) übertrieb wie gewöhnlich und riß Wize auf eigenen Konto, worunter bel ſei⸗ nem Improviſiren aber mancher Spaß ein guter und zeitgemäßer[war. Die Paiſiello'ſcheMüllerin! iſt eine unverwüſtliche Oper, in ihrer Einfachheit, Klarheit und dramatiſchen Wahrheit ein ſich ſtets behauptendes Meiſterſtük. Mir ward bei Anbören dieſer Muſik ordentlich wohl, denn mein Appetit in der Muſik geht noch immer nach der alten, guten Koſt,. Die nächſten Gaſtvorſtellungen der Spizeder ſind die Roſine in Roſſini's, wie Champagner mouſſirendenBar bier und die Amina in Bellini's idylliſch-lyriſchen Oper:Somnam- bula. H.

Muſik.

Prag. Herr Mildner, abſol⸗ virter Zögling des hieſigen Konſerva toriums und zweiter Soloſpieler des k. ſtändiſchen Theaters, gab am 14. Febr. eine muſikaliſche Akademie, in welcher er den erſten Saz eines eben ſo großartigen als ſchwierigen Konzerts von Lipinsky, dann Variationen von Beriot ſpielte. Hr. Mildner iſt einer unſerer vorzüglichſten und beliebteſten Violinſpieler, welcher in ſeinem Splele Geſchmak und Gemüth mit Bravour verbindet, eben ſo eine äußerſt leichte und graziöſe Bogenführung und eine beſondere Fertigkeit im Stakato hat. Hr. Mildner vermehrt die Zahl jener Künſtler, welche dieſem Inſtitute und deſſen Profeſſor Pixis große Ehre brin⸗ gen. In dieſem Konzerte ſpielte auch der junge Klavierſpieler Hr. Drey⸗