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ſchok eine Fantaſſe don Thalberg. Im Beſiz einer ſchon jezt zu bewundernden Fertigkeit und Sicherheit, dürfte der— ſelbe ſeiner Zeit unter die vorzüglich ſten Pianiſten gezählt werden. Als Intermezzo wurde von unſerem ſehr geachteten Schauſpieler Hrn. Bayer ein humoriſtiſches Gedicht„das Kon— zert auf der E-Saite“ von Kuranda, geleſen; ein zwar ſehr verbrauchtes Thema, welches aber der guten Be— handlung wegen keine Langeweile er— regte. Endlich ſang eine Dilettantin die bekannte Arie mit Cello-Beglei— tung von Kreutzer.— Wenn nur der— gleichen unreife Früchte nicht dargebo— ten würden!— Betreffende Eltern und Tanten mögen wohl von ſolchen Produktionen entzükt werden, aber keineswegs ein Vublikum, das zu ei, nem Kunſtgenuſſe geladen wird. Den Schluß machte ein Chor, betitelt „Schlachtruf“ von dem vaterländiſchen Kompoſiteur Hrn. Veit, welcher jedoch dem erwarteten Erfolg nicht entſprach. Die auf dem Zettel gedrukte Bemer— kung„der Klaviermacher Hr. Schwart— ling hatte die Güte ein Pianoforte berzuleihen“, war überflüſſig, dieſe Güte geht das Publikum nichts an; übrigens hatte daſſelbe mit Aus na h—⸗ me der Tenorlage einen guten Klang. Der freundliche Konzertſaal zum„Platais“ war gedrängt voll und der Beifall gegen den Konzertgeber eben ſo groß als verdient. Der Freimüthige.
Mignon Zeitung.
Feuilleton aus Wien. (Zweite Lieferung.). Die mei⸗ ſten Theater in Wien leiden gegen— wärtig am Durchfall. Pannaſchs „Maximilian in Flandern“ griff nicht durch, was verwunderlich erſcheint, da
der Dichter ſich ſonſt als ſehr bühnen⸗ kundig bewies. Die dritte Vorſtellung eines Dramas war ſo ſpärlich beſucht, daß man annehmen konnte, es ſeien im Theater mehr Menſchen auf der Bühne, als im Parterre geweſen. Hr. Pannaſch möge bald mit etwas Tüchti- gem auftreten, denn ſonſt iſt es um ſeinen guten Dichternamen geſchehen; ein gutes Stük hält drei ſchwächli⸗ chen nicht das Gleichgewicht.— Die Oper„Jvanhoe“ von Paccini hörte man im Joſephſtädter Theater; ſie ſprach nicht an. Iſt mir auch mein Leb— tag keine ſo ſchlechte Oper begeg⸗ net; es iſt weder Melodie darin, noch eine Harmonie. Zuſammengewür— feltes, aus alten Partituren zuſam— mengeſtoppeltes Zeug! Die Aufführung war eine durchaus ſchülerhafte; Herr Mellinger hat wohl Mittel, aber er ſollte fleißiger auf ſeine Ausbildung bedacht ſein, auch ſich vor dem Forciren ſeiner ſchönen Stimme hüten.— Die Leopoldſtadt brachte ein neues Stük von Gulden:„der Geiſt der düſtern Inſeln.“ Ein recht moraliſches, aber ſehr unklar ausgeführtes Stük. Hr. Gulden hat viel Talent, aber zu we— nig geiſtige Klärung, und ſo kann nicht Alles gut gerathen. Eine erfreu— liche Erſcheinung taucht in Hrn. Ni— detzey auf; dieſer Mann, Komponiſt und Kapellmeiſter für das Leopoldſtäd⸗ ter Theater, ſchrieb zu Gulden's Stük eine allerliebſte, freundliche Muſik. Mad. Rohrbeck gab jene Piece zu ih⸗ rer Venefize, ſpielte wie immer mit Luſt und Beruf, konnte aber das ſo— genannte romantiſch-komiſche Märchen nicht heben. Sein Leben wird auch ein kurzes ſein.— Das Theater an der Wien brachte„die Maltheſer“ von Mad. Birch-⸗ Pfeiffer unter dem Titel „die Macht des Firmans.“ Gewiß iſt's, daß dies Produkt(nach Van der Vel— de's Erzähl ung gearbeitet) das ſchwächſte


