Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
130
 
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Schonen. Meine Waffengenoſſen ſahen, wie ich nicht Entfernung, nicht Müh⸗ ſal, weder offene noch verborgen lauernde Gefahr ängſtlich überlegend beach⸗ tete. Mein einziges Fragen war:wo iſt der Feind? Meine Schaar eiſerte meinem Beiſpiele nach, und manch' ein lodeendes Dorf zeigte in Flammenzü⸗ gen den blutig überraſchenden Rotbbäuten, wie wir zu vergelten wußten.

Endlich trafen wir auf dieſelbe Horde, die meine Angehörigen, meine Emma, unſere Nachbarn erſchlagen hatte. Der Kampf entſpann ſich unweit dem Beken, in welchem meine Braut ihrer Mordwuth zum Opfer gefallen war; nach kurzem Fechten wichen ſie vor uns zurük in die Steppengrube. Ste war mit dem hohen dürren Herbſtgraſe dichtbewachſen. Wir ſchleuderten den Feuerbrand hineln und jagten ſie heulend auf die Ebene heraus. Wir erſchlu⸗ gen hier ihrer Viele. Die noch Uebrigen flohen vor uns ber nach ihrem Lager, ihrem Sommerwohnplaze unweit vom vom Illinois. Hier waren ihre Weiber und Kinder, hier die Erdhügel, die die Gebeine ihrer Väter enthielten. Hier ſtanden ſie von ihrer Flucht und wendeten ſich zu verzweifelter Gegenwehr. Doch wozu ſollte ich dieſe Blutbilder und Racheauftritte auf's Neue herauf⸗ befchwören 2! Ihre Krieger beſchloſſen einmüthig, ihre Weiber und Kinder zu tödten und ſich dann wechſelſeitig das Leben zu nehmen. Wir börten die be jahrten Krieger den Todesſang anſtimmen, als das Werk der Vernichtung vor ſich ging. Die entſchloſſene, blutige Opferung ergriff die rauben Herzen un ſerer Grenzjäger; der Knall ihrer Büchſen verſtummte. Alle waren nun ge⸗ fallen, nur ihr Kriegshaupt nicht. Er ſtekte das Dorf in Brand und trat uns entgegen.Indianerkämpfer, hob er, zu mir gewendet, an,ich erſchlug deinen Vater und deine Mutter. Ich erſchlug das Mädchen deiner Liebe. Blſt du wahrhaft ein Krieger und eines Kriegers Sohn, ſo hole dir jezt delne Ra che. Ich war wahrlich nicht der Mann, der die Einladung ausſchlug. Wir kämpften lang und heiß um die Oberhand, um Leben und Tod. Wundennar ben ſind mir als dauernde Erinnerungszeichen jenes Streits geblieben. Wie ich aber mich vom Blutverluſt ermattet fühlte, da rief ich ſiegsmuthig:Em⸗ ma! und mein Arm war neu geſtählt. Er wälzte ſich auf dem Steppengraſe und nicht ohne eine ganz eigene ehrfürchtige Empfindung ſah ich den ſtarren Trozblik des gebrochenen Auges, die noch im Tode dräuende, dem Feinde die Siegesfreude beſtreitende, Stirn.

Der Friede iſt ſeit Jahren ſchon auf dieſe Ebenen zurükgekehrt; vor wenigen Monden aber erſt pilgerte ich nach den Trümmern des indlantſchen Dorfes. Daß lange ſchon Grimm, Racheſucht, Verzweiflung aus meinem Her⸗ zen verſchwunden,, daß ſie beſſeren Gefühlen, den Geſinnungen, den ewigen Hoffnungen des Chriſten gewichen waren, brauche ich dir, Fremdling, wohl nicht erſt zu ſagen...... Ich vergoß Thränen des Mitlelds, der Verge bung..... der Reue über dieſen ergreifenden Trümmern. Da ſtanden noch die verſengten Pfirſchen- und Pflaumen-Bäume; da noch die zerfallenen Ueber⸗ bleibſel der wenigen Hütten, die dem Brand entgangen waren. Ich erinnerte mich der Zeit, wo ich die Raſen mit dem regen Gewühl und Treiben des Lebens bedekt geſeben habe. Ich erinnerte mich der Bank oben im Dorfe, wo ich die greiſen Rathshäuptlinge ibre Friedenspfeiſe hatte rauchen ſeben. Ihre Gebeine lagen nun bleichend um mich. In ihren Schädeln batte die Klappernatter ringelnd ſich eingeniſtet und harrte lauernd ihrer Beute.