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Namens Hr. Jakob.“ Der Reiſende erſchien nicht, und die Kiſte hauchte einen ſtinkenden Geruch aus, ſo daß man genöthigt war, ſie zu öffnen. Man fand darin den Leichnam eines Mannes in einem vollkommenen Zuſtande der Fäulniß. Man glaubt, die Leiche ſei jene eines Bankiers, der vor zwei Jahren aus Liverpool verſchwand, ohne daß man je etwas von ihm hörte. Die— ſes Verſchwinden hatte damals eine große Senſation veranlaßt; denn gleich nachher waren zahlreiche, durch den Verſchwundenen akzeptirte Wechſel auf dem Plaze in Umlauf geſezt worden, was dermuthen ließ, daß der unglük— liche Bankier das Opfer einer meuchel— mörderiſchen Hinterliſt geworden war, daß man ihm ſeine Unterſchrift erpreßt, und ihn hierauſ, um die Spur des Verbrechens zu verwiſchen, ermordet babe.— Ein engliſches Jonrnal ent— hält nachſtehende Anzeige:„Allen un— verehelichten Frauensperſonen mache ich hiermit bekannt daß ich, John Hoh— nall, 45 Jahre alt, und Wittwer, eine Frau ſuche. Ich will Niemanden täuſchen, und führe demnach, der Wahrheit getreu, hier an: Ich beſize eine gute Hütte, zwei Aker kulturfä— higes Land zu 2 Pfd. Sterl. jährlicher Pacht; ich habe fünf Kinder, von de— nen vier ſchon groß genug ſind, um zu arbeiten; habe 3 Seiten Spek und einige Schweine zu verkaufen. Ich wün— ſche eine Frau, welche in meiner Ab— weſenheit das Haus beſorgen kann; ich will keine Kinder weiter haben; demnach kann ſie 40 bis 50 Jahre alt ſein, das iſt gleich. Vorzüglich aber würde man einer jeden andern Frau eine ſolche vorziehen, welche gut mit Schweinen umzugehen verſteht.— Ve— kanntlich werden in England die Leute beſtraft, welche die Thiere quälen. So wurde auch neuerdings ein Fuhrmann vor die Polizei gefordert, weil er ſei⸗
nem Pferde die Zunge ausgeriſſen. Um
das Thier nämlich lenkſamer zu ma— chen, hatte der Fuhrmann die Leine an die Zunge des Pferdes befeſtiget, und daran einmal ſehr ſtark gezogen, um das Pferd zum Rükwärtsgehen zu bringen. Dabei wurde dem Thiere die Zunge zerriſſen. Das Gericht verur— theilte den Mann zu beinahe 300 Tha⸗ lern Geldſtrafe.— Die Armuth und das Elend haben in Irland wieder ei— ne hohe Stufe erreicht. Einige Bei— ſpiele werden dies beweiſen. Die An⸗ gaben rühren von der Unterſuchungs⸗ kommiſſion her:„Die erſte war Mary Slattery, deren anſtändiges Ausſehen uns auffiel.„Ich bin“, ſagte ſie,„die Wittwe eines penſionirten Offiziers, und habe auf der Welt keine Perſon, die ſich um mich kümmert. Ich kann keine Beſchäftigung erhalten und hatte keinen Stein Torf, um meinem kran— ken Kinde einen warmen Trank zu ma— chen, bis mir ein Nachbar den dort auf dem Roſte liegenden Torf gab. Ich habe mit meiner Familie heute nichts, als vier kalte Kartoffeln zu eſſen gehabt. Ich bezahle für dieſe Hütte wöchentl. 1 Shill.(30 kr.) Mie⸗ the und vermiethe jenen Winkel davon an eine Frau mit vier Kindern, die mir 12 Gr. die Woche gibt, obgleich der Regen durch das Dach auf ſie fällt, und ſie z. B. in der vorigen Nacht kei⸗ nen Augenblik ſchlief, ſondern ſich nur immer bemühete, das Bett troken zu erhalten. Ich ſelbſt muß die Nacht da auf dem Herdſteine zubringen. Eine andere Frau ſagte aus, ſie habe oft eine Kartoffel in fünf Stüke ſchneiden müſſen, um ſie unter ihre Kinder zu theilen. Bei dieſer Noth ſtehen einan— der größtentheils die Armen bei, wel— che es aus eigener, Erfahrung wiſſen, wie weh der Hunger thut; die Edel⸗ leute und Grundbeſizer dagegen ſollen ſelten Unterſtüzung geben. M.


