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men; dies iſt ebenfalls eine neue Mode. Außerdem hat dieſe vornehme Welt eine eigene Sprachmiſchung, die ſich jeden Monat ändert. Man darf gewiſſe Vokale nicht ausſprechen, dagegen beſtimmte grobe Worte ohne Umſtände
brauchen oc.
hten. U Mignon Zeitung.
Buntes aus Paris. Der Pariſer Karneval iſt dies Jahr mit einer entſezlichen Orgie in der großen Oper beſchloſſen worden. Die Regie⸗ rung hatte nämlich daſelbſt, nach lan— gem, wiederholtem Anſuchen, zum Be— ſten Muſard's und ſeines Orcheſters, in der Nacht vom Faſtnachtsdienſtag auf den Aſchermittwoch einen gro— ßen Maskenball zu fünf Franken En⸗ tree geſtattet. Es konnte daher nicht fehlen, daß die Volksmaſſe, anſtatt ſich in die übrigen Theater, wie ſonſt, zu drängen, die große Oper vorzog; 5000 Billets waren vorher ausgegeben, und mehrere Tauſend Gäſte mußten an der Kaſſe abgewieſen werden. Der Ball hat bis 6 Uhr Morgens gedauert: und war nichts als eine lange Saturnalie; nach— dem man die unzüchtigſten Tänze auf⸗ geführt, und in raſenden Galoppaden die ganze Nacht durch getobt, hat man den Kapellmeiſter Muſard, der das hun— dert Mann ſtarke Orcheſter dirigirte, von ſeinem Size heruntergeriſſen, und im Triumphgeſchrei auf den Armen durch den Saal getragen. Von da ging es in den Faubourg du Temple, um die descente de la Courtille mitzuma⸗ chen, das ſcheußlichſte Schauſpiel, was man nur ſehen kann, woran ſich die beflekte Phantaſie der vornehmen Welt ergözt, und worin die Brutalität und Gemeinheit des niedrigſten Pöbels ei⸗ nen Grad erreicht, der Jeden anekeln und empören muß, dem noch ein Funke
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0 egebnisse. ſittlichen Gefühls übrig geblieben iſt. Unter den Zuſchauern, welche von den Vendange de Bourgogne, einem be⸗ kannten Reſtaurant, aus dieſem wüſten Treiben mit zuſahen, bemerkte man mehrere literariſche Notabilitäten, wie Balzac und Viktor Hugo, der, wie es heißt, ein neues Drama für das Theater frangals und einen neuen Band Gedichte unter dem Titel: voix inté- rieures, ſchreibt.— Am lezten Karne⸗ valstage fuhren vier junge Leute, als Grippekranke maskirt, in einem Wa⸗ gen auf den Pariſer Boulevards her⸗ um. Zwei derſelben ſind ſeitdem von der Krankheit in ihrer größten Stren⸗ ge befallen worden.— Herr v. Beriot, der berühmte Violinſpieler und Mann der Malibran, wollte durchaus eine rei⸗ che Sängerin heirat hen, und gab ſich früher viele Mühe, die Hand der Dem. Sonntag zu erhalten. Die Sängerin 91 ihn anfänglich hin und wies ihn endlich völlig ab. Da fiel Berlot in Ohnmacht,— warf ſich auf das So⸗ pha, zerraufte ſeln Haar, raſete in Paris herum, lief zu allen Bekannten und erklärte, er könne dieſe Schmach nicht ertragen. Als die Malibran er⸗ ſchlien, trug er dieſer ſein Herz an; ſie gab ihm endlich die Hand, und er fühlte ſich in ihrem Beſize und dem ihres großen Vermögens glüklich. B.
Buntes aus London. Vor zwei Jahren hatte man in den Maga⸗ zinen eines Frachtbeſtätters zu Bir⸗ mingham elne Kiſte niedergelegt, die mit folgender Anzeige von Elverpool kam:„Baumwollſtoffe, zu reklamiren durch einen franzöſiſchen Reiſenden,


