Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
106
 
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ihrer eigenen, einſamen Freude, lacht: keinen aber, der eln ſolches Eden, wie dieſer, geweſen wäre. Ich zählte kaum zwanzig Lebensjahre. Ich hatte die reich geſchmürten und ſtolzen Schönen meines Geburtslandes und der Ameri kanerſtädte, als ihr Standesgenoß, geſehen Alle aber mit derſelben Gleich⸗ giltigkeit. 5

Hier lernte ich durch Zufall das Mädchen kennen, die meine ganze Seele füllte. Emma, ſo hieß ſie, hatte, ehe ſie noch ſechzehn Sommer geſehen, die Schläge des Schikſals kennen gelernt, und ihr durchdringendes Auge, wenn es zu Zeiten in feuchtem, mattem Glanze ſchwamm, erzählte dann eine Geſchichte voll Sorge und Kummer. Ihr Vater hatte das Seinige auf die See gewagt, und verſchlungen von dem unbeſtändigen Elemente wurde der reichſte Theil ſeiner Habe. Dem meinigen gleich vermochte ſein ſtolzes Gemüth das er⸗ künſtelte Mitleid derjenigen, die die Gaſtfreiheit ſeiner beſſeren Tage getheilt hatten, nicht zu ertragen. Er ſuchte Ruhe in denſelben Wäldern und hatte ſich die neue Heimath am ſelben Strome, wenige Stunden weiter hinauf, ge⸗ wählt. Auf einem Ritte, der ihn in der Nähe unſerer Hütte vorüber führte, war er von ſeinem Roſſe, das über einen am Wege aufſpringenden Haſen ge ſcheut hatte, abgeworfen worden. Ich fand ihn, trug ihn beim, pflegte ihn während ſeiner Fußverlezung, bis er im Stande war, nach ſeiner eigenen Wohnung zurükzukehren. Das nächſte Mal, als wir ihn ſahen, brachte er ſeine holde Tochter zu einem Beſuche auf unſerer Anſſedelung mit.

Es war an einem lieblichen Aprilabend und auf einem weiten, in der Nähe unſerer Hüttengruppe gelegenen, Zukerfelde, als uns ihr Beſuch traf. Der größere Theil unſerer Anſtedelung war um die Heſſel und die lodernden Feuer in jenem anmuthigen Thale verſammelt. Eine Schaar ſchwarzer Knechte ſang an der Arbeit in der Weiſe ihrer heimiſchen Gewürzhaine Lieder voll Frohmuth und Klage zugleich, die Erinnerungen an den Lotos und die Palme athmeten. Dampfend über den hellen Feuern ſtieg der Duft der anſchleßenden Kriſtalle empor. Die Alten ſaßen unter den Bäumen und erzählten von ihren Jagdthaten gegen Büffel und Bär, und von ihren noch ernſteren Fehden mit den Indianern. Die Jüngeren mit ihren Erkorenen ſaßen abgeſondert, in traulichen Gruppen. Ein diker luſtiger Schwarzer, lachend und ſorglos, als ob er nie die gewichtige Bedeutung des WortesSklave gehört oder kennen gelernt hätte, krazte auf ſeiner Geige. Kaum erſchallte ihr Ton, ſo verlie ßen die zerſtreuten Pärchen ihre ſtillbergnügenden Lauſchwinkelchen für die lau⸗ tere Luſt des Tanzes.

Zu ſolcher Stunde und an ſolchem Orte war es denn, daß Emma und ihr Vater, von ihren Roſſen ſteigend, zu uns traten. Der Vater nannte mich der Tochter als den Mann, dem er zum innigſten Danke verpflichtet ſei. Woſſie wohnte, fand ſich der Zukerahorn nicht; und das Schauſpiel hier, das ganze Verfahren bei der Bereitung des Zukers hatte für ſie den vollen Reiz der Neuheit. Sie zeigte weder gezlertes Bedenken noch inneren Wider- willen, mit mir das ganze Lagerfeld zu umgehen und dann auf einer ländli⸗ chen Bank an einer Quelle auszuruhen, von wo aus man das heitere Bild unten, in reicher Beleuchtung vo äligen hellen Feuern, überſah. Ihre Zurükhaltung wich allmählig er meinigen; und mein Herz wurde kühn, als ſie ihr Auge auf mich ri tete, gleich als wollte ſie mich fragen, wie ein