Veßuler Gg* 9 aq.
14. Sonnabend, 18. Februar. 1837.
Der Auswanderer.
(Eine amerikaniſche Geſchichte.)
Noch ſteht der Tag lebhaft vor mir, an dem wir zum erſten Male un⸗ ſere Zelte in Amerikas Wildniß aufſchlugen. Hier waltete ringsum die Fri— ſche der Natur, wie in unſerer verlaſſenen Heimathgegend Alles den Stempel der Mühen und Arbeiten des Menſchen trug. Der Himmel ſtrahlte in wolken— loſem Blau, und ein milder Süd rauſchte lind durch die Waldbäume, und trug in ſanftem Geflüſter reiche Düfte durch die blütengeſchmükte Wildniß da— her. Die mächtighohen, geradeaufſtrebenden Waldbäume dekte ein üppiges Mooskleid; und ihre altersgrauen Stämme ſtiegen wie Säulen empor. Auf— geſcheucht rannten Haſen und Rehe und die wilderen Bewohner der Wälder in
fliehenden Säzen hinweg von unſerm Reiſepfade. Adler und Aasgeier ſchweb⸗
ten über unſern Häuptern. Zwiſchen den Zweigen ſangen Vögel von glänzen— dem Gefieder, ſchimmernd in Roth, Grün und Gold. Vom langen Winter— ſchlafe erwekt, miſchten die zahlloſen Waſſerbewohner aus den Bächen und Seen umher ihre kreiſchenden Laute in das wirre Tönegewühl, in dieſes bunte Preislied der Natur; dazu erklangen noch die hell wiederhallenden Rufe un— ſerer Hüfthörner, die bellenden Stimmen unſerer Hunde, all' die frohen, häus— lichen Laute der Thiere, die der Menſch in geſellige Nähe ſich gewöhnt hat, die kräftigen Schläge der Holzart, das Krachen ſtürzendeer Bäume und dle ſorgloſen Waldweiſen der erſten Lieder, die wohl dieſe Elnſamkeiten ſeit dem Schöpfungstage hörten. Wie auf ein helles grünes Eiland in dem endloſen dunkeln Meere der Vergangenheit ſchaue ich auf dieſe heiteren, ach, nur zu theuern, Erinnerungen zurük.
Wir weihten unſere kunſtloſen Hütten im Urwald mit dem herzgewin— nenden, lieben Namen der Heimat h. Manch' einen Erdflek habe ich ſeitdem geſehen, wo die Natur in Schöne, in ſtiller Abgeſchiedenheit, gleichſam zu


