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gefährliche Mittel gewählt zu haben, um die Neugier ihres Schwagers zu ſtrafen, der die Briefe ſeiner Frau zu leſen pflegte.— Die deutſchen Thea— terdirektoren können froh ſein, daß ſie dermalen noch nicht ſo beſchwerliche Ausgaben zu machen haben wie die Pariſer. Wenn in Paris einem Thea— terſtük eine gute Aufnahme geſichert ſein ſoll, ſo braucht ein ſolches 237 bezahlte Leute, die ihm durchhel fen; nämlich 150 Klatſcher, 15 Ziſcher, 27 Lacher und Weiner und 45 Herausru— fer. Die Klatſcher haben am rechten Orte Beifall zu klatſchen, die Ziſcher müſſen Ruhe gebieten und Pſt! rufen wenn Jemand nur das geringſte Ge— räuſch macht, die Lacher müſſen bei jedem Wizworte eine helle Lache auf— ſchlagen, die Weiner zur rechten Zeit, wenn etwas Rührendes vorkommt, das Schnupftuch aus der Taſche ziehen und weinen als hätte ſie der Bok ge— ſtoßen, und die Herausrufer müſſen am Ende des Stüks„Bravo!“ brüllen und herausrufen was das Zeug hält! — Wer echtes Eau de Cologne haben will, muß ſich an eine intereſſante Per— ſon in Paris wenden, dle einen an⸗ ſehnlichen Handel damit treibt, und dies iſt Niemand anders als der ehe— malige Leibmameluk Napoleons, der bekannte Herr Ruſtan!— Napoleons Leibmameluk ein Parfümeriehändler! So ändern ſich die Zeiten!— Es iſt hier ſchon wieder eine Revolution aus— gebrochen, ein Kampf zwiſchen Schwarz und Weiß oder Dönkel und Licht. Die weißen Halstücher wollen nämlich die ſchwarzen verdrängen, dieſe herrliche Folie, welche den gelben Teint in ei⸗ nen klaren verwandelt. Das ganze weibliche Geſchlecht iſt gegen dieſe Re— volution, die Wäſcherinen ausgenom— men; die Männerwelt aber iſt ganz dafür geſtimmt, und beſonders thun ſich die Seifenſieder in der Energie
des Kampfes für Dunkel und Licht hervor.— Die Damen Elsler ſizen hier wieder recht wie im Paradieſe. Drei Schweſtern ſind dort auf vier Jahre für's Ballet engagirt, und Fan⸗ ny's Bildſäule von Gyps wird ſogar für 60 Franks an jeden Liebhaber ver⸗ kauft, und das will gewiß viel ſagen. — In dem Garten des Vankgebäudes hat man eine weißmarmorne Statue Napoleons gefunden, die wahrſchein— lich bei der Rükkehr der Vourbons vergraben wurde. Sie wird jezt im hiſtoriſchen Muſeum zu Verſailles auf⸗ geſtellt— In der Bilanz des Cochel⸗ ſchen Falliments fand man auch als Aktivum eine Summe von 35,000 Frks. für das Gewerbe eines Oberklatſchers im Vaudevilletheater. Der Fallit hat dieſes Gewerbe ganz neuer Art für 22,000 Frks. gekauft, und es trägt monatlich 550 Frks. ein. B. London. Die Engländer ha⸗ ben bekanntlich ſeit langer Zeit ihren Spott mit dem Runkelrübenzuker ge— habt und viele Karikaturen auf Napo— leon gemacht, der ſeine guten Gründe hatte, ſeine Aufmerkſamkeit dieſem Ge— genſtande zuzuwenden. Jezt lernen ſie einſehen, daß doch die Spekulation gut war, und man hat Runkelrübenzu— kerfabriken auch in Großbritannien an— gelegt. A. Berlin. Aerzte und Apotheker ſind bei uns vollauf beſchäftigt, denn ein Fünftel der Bewohner Berlins(ſo ganz genau wird indeß die Zählung nicht ſein) iſt von der Grippe geplagt, ſo daß Heiſere und Huſtende allerwärts gehört werden. Wenn ehemals die Wit— terung ſo wechſelnd war wie jezt, d. h. wenn der Morgen jedes Tages Froſt zeigte, zum Frühſtük Schnee fiel, zu Mittag bei heiterem Himmel Glaseis, bei'm Kaffe nach Tiſch Regen eintrat, wonach es wieder etwas fror, ſo fan— den's die Menſchen natürlich, daß Vie⸗


