Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
102
 
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Kupferdraht. Aber iſt das getanzt! ich

habe nie eine ähnliche Grazie, An muth und Leichtigkeit in Bewegung bet elner Drahttänzerin geſehen. Es wäre beim Himmel! zu wünſchen, wenn unſere Tänzerinen auf feſtem Boden ſo tanzten, wie dieſe Sylpbide artenne auf dem Draht. Die Romanini iſt nicht jung und nicht ſchön, aber doch ein wunderbares Weib. Bei den Frauen

iſt die Grazie die höchſte unverwüſt

liche Schönheit. Ein Prager Stu dent iſt hier angekommen, mit dem ro mantiſchen Namen Uffo Horn. Der junge Menſch hat Talent, das wird ihm Niemand abſtrelten; das Bierbel den drei Raben iſt aber ſehr gut, allein wenn dieſer Parlamentär nicht bald dort ſeine, die Nach barſchaft ſtö renden lauten Reden ſchließt, ſo ver jagt er dem braven Würth ſeine Gäſte. Bei geklärtem Verſtande wird er es erfahren, wie ſchädlich literariſchen An fängern dergleichen öffentlich gefühete Raiſonnements ſind. Bei ihm iſt 3. B. Grillparzer ein pedantiſcher Stroh mann. Ich deprezire fürchterlich und frage alle Welt: Iſt ſo etwas anzuhö ren? Drum nehme ich denn Hut, ſo oft er beginnt und gehe, wenn er ſeinen Aberwiz auskramt. In der Burg kömmt ein neues Stük zur Dar ſtellung:Maximilian in Flandern. Pannaſch als Verfaſſer iſt ein guter Dramatiker; das Stük ſelbſt iſt ſchon gedrukt erſchtenen bei Richard in Güns (1856). Ich glaube, daß es nicht eßfekt⸗ los über die Bretter gehen würd. Von Oeſterlein erſcheint in Kurzem ein Gedicht:Friedrich der ſchöne bei Mühldorf. Dieſer Schriftſteller gehört zu den reichbegabten Dichtern unſeres Vaterlandes und es läßt ſich etwas im wahren Sinn des Wortes Gutes er- warten. Die Naimund'ſchen Werke ziehn nicht beſonders. Es iſt ſchade darum. Das Unternehmen der Herren

Nohrmann u. Schweigert it ein groß⸗ artiges(2) u. verdiente die ungetheilte Thellnahme eines gebildeten Publi kums. Hr. Straube, ein guter Pro ſalſt, wird einen Band öſterrelchiſcher Sagen herausgeben. J. F. Chownitz heißt ein junger Schriftſteller, welcher ſich als Journaliſt zwiſchen ſo vielen lämmerlichen ſchreibenden Subjekten auf eine erfreuliche Weiſe bemerkbar macht. Er verſpricht aber eber ein geiſtrelcher, als ein gemüthlicher Schriftſteller zu werden. Ingleichen hat auch Hr. Sor ger Talent für das Erzählungsfach und es wäre ihm anzurathen, das Krlti⸗ kenſchreiben bleiben zu laſſen und lie ber die Novelle zu kultuviren. Aus Hirſch'sFrühlingsalbum erſchlenen in einer hleſigen Zeltſchrift einige Fragmente in's Italieniſche übertra gen von Dr. Martinolli. Für den Oich ter eine ſehr ehrenvolle Auszeichnung Von demſelben Autor wird ein neues Werk erwartet:Chriſtine, lyriſche Fantaſie in drei Geſängen. Hier haben Sie, Herr Redakteur, ein Ra⸗

gout von allerhand Novitäten in un⸗

ſerer Reſidenz, bunt durch einander; möge Ihren zahlreichen Leſern dieſe Speiſe, präſentirt auf Ihrem elegan ten Zeitſchriftteller, wohl munden. Bald mehr von mir. Sincerus.

Buntes aus Paris. In dem Konzerte des Herrn Stöpel, welches am 25. Januar im Saale des Rath⸗ hauſes gegeben wurde, führten unter An derm zwanzig junge Damen auf zehn Pianoforte's Roſſint's Ouverture zum Barbier von Sevilla, Vartatlonen von Herz, und eine Polonalſe, von Herrn Stöpel komponirt, aus. Ein Poſt, beamter in Beſangon wurde neulich bei

Stempelung der Beleſe durch eine Ex⸗

ploſion von Knallſilber, das in einem derſelben enthalten war, an der Hand verwundet. Eine Dame ſcheint dieſes