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achtbarſten Seiten her zu erfreuen hat te. Die Soiree ſelbſt bot des Intereſ— ſanten viel und mancherlei. Von un⸗ ſern ausgezeichneten, glüklich wettei— fernden Klavier-Virtuoſen Köhler und Heſſe und von dem rühmlich bekannten Violiniſten, Hrn. Schön, zwiſchen ih— ren Geſangs-Piecen bereitwilligſt un— terſtüßt, ſang Dem. Carl außer ſechs Volksliedern(Neapolitaniſch, Ruſſiſch, Spaniſch, Franzöſiſch, Ungariſch, Pol— niſch) worunter 1, 5 und 6 beſonders anzuſprechen ſchienen, auch eine Arie von Pacini und zwei von Roſſini. Die beiden Werke des weltberühmten Ita— lieners, woraus ſelbe entlehnt ſind, „Bianca é Falièero“, u., Semiramide““ ſind uns leider unbekannt, und ſchon darum waren die Piecen willkommen. Der gefällige, melodiöſe, ſüdliche Cha— rakter herrſcht darin auffallend vor.— Gerade das Genre der hier berührten drei Arien iſt unſtreitig das bedeu— tendſte unſerer liebenswürdigen Gaſt— ſängerin. Die Leichtigkeit, mit wel⸗ cher ſie die, mit den weſentlichſten Schwierigkeiten ausgeſtatteten ita— lieniſchen Sachen ſingt, iſt in der That eben ſo überraſchend als ange— nehm. Ihre Mimik iſt dabei anſpre— chend beſeelt, und das Ganze gewinnt in ihren Händen einen ſo gefälligen Anſtrich, daß man es in zahlloſen Wie— derholungen doch wieder eben ſo gern hört. Der Vortrag aller drei Arien erntete ſtürmiſchen Beifall, welcher auch den mitwirkenden Herren nicht fehlte.“ (Den neueſten Nachrichten aus Wa r⸗ ſchau zu Folge, iſt die gefeierte Sän⸗ gerin in dieſer Hauptſtadt Pohlens mit Enthuſiasmus aufgenommen wor— den. Am 25. Jan. ward ihr die Ehre zu Theil zu einer glänzenden Soiree Seiner Durchlaucht des Fürſten Pas— kewitſch geladen zu werden, wo ſie die große Arie aus den„Vuritanern““, dann„von einem der Kavaliere unter—
ſtüzt; ein Duett aus dem„Barbier“ und endlich das Terzett aus„Anna Volena“ ſang. Am 27. gab ſie bei überfülltem Hauſe ein Konzert im Thea⸗ ter, und auf Verlangen des Publikums ſang ſie am 31. die Roſina im„Bar- bier“ in italieniſcher Sprache, während die übrigen Operiſten pol— nüſch ſangen. Das Haus war beiſpiel⸗ los gedrängt voll und der Beifall ſo außerordentlich, daß man eine Wieder- holung erwartet.)
Mignon.Zeitung.
Feuilleton aus Wien. (Erſte Lieferung.) Es war eine ſchö— ne Zeit, als ich die Literatur-nicht trieb. O die Literatur! eine gar lie— benswürdige Dame, der ich lange den Hof mache, dieſe iſt auch bei uns in der ewigen Hoffnung; immer in der Hoffnung, und doch erfolgt keine gei— ſtige Geburt. Gerne möchte ich ein Trauerlied ſingen, allein ich laſſe es bleiben, weil eben die Leute das— Singen nicht leiden können.— Nun denn im Ernſte in Wien, um mit ei⸗ ner Neuigkeit zu kommen, ſteht es mit der Journaliſtik nicht am Beſten. Alle ſagen zwar, ſie wollten nur das Beſte; ja wohl, das Beſte: d. h. Geld. In einem Leipziger Blatte befindet ſich eine Revue ſämmtlicher Zeitſchriften!— Was man ſo eigentlich gelobt nennt, wurden die Hrn. Kaltenbök, Oeſterlein und Wit⸗ thauer auf eine ehrenvolle Weiſe er— wähnt. Das„öſterreichiſche Morgen— blatt“ iſt in Deutſchland als eine Zier— de unſerer Zeitſchriften-Literatur ein- geführt worden und es iſt dem thätigen Redakteur nur Glük zu wünſchen zu ſolcher Anerkennung.— Von was An⸗ derm.— Von der Romanini werden Sie wohl gehört haben? ſie tanzt auf dem


