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Was der König verſprochen hatte, wurde vollzogen. Nach Verlauf von vierzehn Tagen ſtand das Haus im Park fertig da, und der Elgenthümer, der den König nur um einige Monate überlebte, bewohnte es noch 1770.
Ein Abenteuer in Lyon.
Ein Lyoner Journal erzählt die nachſtebende außerordentliche Geſchichte und verbürgt die Wahrheit der einzelnen Angaben:
Der junge P., etwa 13 Jahr alt, wurde vor einigen Tagen von ſeinen Eltern auf den Markt auf dem Kai Humbert bei dem Börſenplaze geſchikt, um Kartoffeln dort zu kaufen. Wöhrend er darum handelte, erhielt er von hinten einen Schlag, der ihn zu Boden ſtrekte. Darauf traten zwei ſehr gut gekleidete Herren zu ihm, und forderten Ihn auf, aus einem kleinen Fläſch⸗ chen zu trinken, worauf es ihm wie ſie verſicherten, beſſer werden würde. Der Knabe glaubte den Herren und trank, verfiel aber nicht lange darauf in tie⸗ fen Schlaf, der ihn des Gebrauches ſeiner Sinne beraubte. Als er erwachte (wie lange er geſchlafen haben mochte, wußte er nicht), beſand er ſich in ei⸗ nem ihm unbekannten Zimmer auf einem Bette, und der Oberthell ſeines Körpers war in einen eiſernen Apparat gezwängt, der ihm die Bruſt und den Nüken ſehr zuſammendrükte; ein Arm beſand ſich ebenfalls in einer ſolchen Maſchine. Einer der Herren, die ihm auf dem Kai jenen Trank angeboten batten, ſchien aufmerkſam auf das Schlagen des Herzens und der Adern zu lauſchen, während der andere Herr daneben ſaß und ſchrieb. Vergebens klagte der junge P., der auf dleſer Folter ziemlich heftigen Schmerz fühlte, daß man ihm wehe thue; die geheimnißvollen Männer beruhigten ihn ſo viel als möglich, und verſprachen ihm, es werde nicht lange mehr dauern, und es habe keine Gefahr. Wirklich befreiten ſie ihn nach einiger Zeit von den Ban— den, gaben ihm zu eſſen, und führten ihn dann in ein anderes Zimmer. In dieſem Zimmer ſah er mit Verwunderung zwanzig kleine Betten, worin zwan— zig Kinder lagen, die größtentheils ſehr abgemagert und von Schmerz abge⸗ mattet ausſahen; der Anblik dieſer Unglüklichen, von denen mehrere lebendi⸗ gen Skeletten glichen, wekte in P. tiefes Mitlelden, zugleich aber auch dle Befürchtung, in eben den Zuſtand verſezt zu werden, und den Wunſch, durch die Flucht ſich dieſer Gefahr zu entziehen. i
Als er mit ſeinen jungen Leldensgefährten alleln war, bemerkte er zwel, deren Blik voch lebhaft, deren Geſicht noch geſund und voll war und zu verrathen ſchien, daß ſie ebenfalls erſt ſelt kurzer Zeit in dieſem traurigen Orte wären. Das Unglük macht mitthetlend; die beiden Knaben kamen dem jungen p. entgegen und fragten ihn, ob er lange bei ihnen bleiben werde. Auf ſeine bernelnende Antwort vertrauten ſie ihm an, ſie bätten dle Abſicht, zu entfliehen, und forderten ihn auf, Theil an der Flucht zu nehmen. Sie verſprachen einander, ſich den Abend zu ſtellen, als ſchlieſen ſie, nach ellf Uhr aber zu gleicher Zeit aufzuſtehen, um da über die Mittel zur Flucht zu Rat he zu gehen. Bald darauf holte man die Kinder ab, um ſie in einem gro⸗ ßen Garten ſpaziren zu führen, der von einer 10 bis 15 Ellen hohen Mauer eingeſchloſſen war, ſo daß kein neugieriges Auge hineinſehen konnte. Wäh—


