Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
83
 
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ſtirbe, ſagte er, leiſe zwiſchen den Zähnen murmelnd,um die zum Sprich wort gewordene Redensart zu rechtfertigen: Königs Sohn, Königs Bruder, Königs Vater; niemals König.

Ein ſolches Ende nahm die Zeremonie. Als ſich Ludwig 1 in ſeinen Zimmern befand, ließ er den Polizeilieutenant rufen.Sie waren gut un terrichtet, Herr von Bellisle, ſagte er,voriges Jahr Damiens Dolch, die ſes Mal ein Bouquet, und Alles aus derſelben Quelle. Aber ich kann und will nicht ſtrafen. Ich verbiete Ihnen, dieſem Geheimniſſe nachzuforſchen. Was den Mann betrifft, der mich gerettet hat, ſo will ich ihn ſehen.

Es muß hier bemerkt werden, daß Bertin ſo rechtlich geweſen war, Lud⸗ wig die obſkure Quelle ſeiner Rettung zu entdeken. Es war ein ſchönes, den künftigen Beamten gegebenes Beiſpiel, das ſie aber ſehr wenig befolgt haben. Denn gewöhnlich bringt ein kupfernes Rad einen goldenen Zeiger in Gang, und allein ſichtbar, erhält dieſer nur Lob und Bewunderung.

Ich habe den braven Mann mitgebracht, antwortete Bertin,er iſt hier, Sire, ſehr beunruhigt, ganz beſtürzt, und nur ärmlich mit ſeiner Ar beitsjake bekleidet.

ODeſto beſſer, deſto beſſer; das Arbeitskleid iſt das Ruhmkleid des Vol kes. Bringen Sie dieſen Bohner her, Herr von Bellisle; ich werde ihn beſſer empfangen, als einen Hofmann.

Der Polizeilieutenant ging und kam bald wieder aus dem Saale der Garden mit ſeinem zitternden Schüzling an der Hand zurük, der die Augen nicht aufzuſchlagen wagte. Ludwig hatte gute Seiten: eine Thräne quoll in ſeinen Augen, und zum Arbeiter gehend, ſprach er:Umarme deinen König, braver Mann; das ſei deine erſte Belohnung.

O! Sire, ſagte dee Mann und ſuchte ſich ihm zu Füßen zu werfen, bin ich ſo vieler Güte, ſo vieler Ehre werth?

Der König ſchloß ihn hierauf in ſeine Arme und küßte ihn auf die Stirne.

Das wäre ein Süjet zu einem Gemälde für Greuſe geweſen; ein König, von Frankreich, eleganter und prunkvoller König von Verſailles und von Marly, der einen armen, ſchlecht gekleideten Handarbeiter an ſein Herz drükt; der König dankbare Thränen vergießend, der Arbeiter weinend vor Ueberra ſchung und Rührung.Was verlangſt du? fragte Ludwig nach dieſem erſten Augenblike der Rührung.

Nichts, Sire, nichts! ich bin glüklich.

Fordere, ich werde gewähren, was du verlangen wirſt.

Wohl denn, Sire, ein kleines Häuschen, hier, in Ihrer Nähe, im Parke.

Iſt das Alles?

Ja, es iſt Alles; und wenn Sie mir erlauben, Sie zuweilen zu ſe⸗ ben, ſo werde ich für immer glüklich ſein.

Es bleibt dabei, das Haus anlangend, braver Mann; in dierzehn Ta⸗ gen ſoll es in der Nähe von Trianon fertig ſein, und du ſollſt mir jeden Morgen ein Bouquet bringen..., das wird mir deine Hingebung in's Ge dächtniß rufen.Herr von Bellisle, fuhr der König fort,ich behalte die ſen Mann bei mir; er ſoll vorläufig im Hotel des Obergerichts wohnen; lch gebe ihm monatlich hundert Louisd'or aus meiner Kaſſette, und Ihnen wie derhole ich den ausdrüklichen Befehl, das Geheimniß zu bewahren.