Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
82
 
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Arbeitsanzuge gleich in das Hotel des Polizellieutenants gelaufen, um die zu bewerkſtelligende Schandthat zu entdeken. a

Seit den vorgeblichen Komplotten Latudes und einiger weniger berühm ten Ränkeſchmiede war die Polizei bei den Entdek ungen dleſer Art ſehr un gläubig; die ungewöhnlich ſtarke Oe mäüthsbewegung bes Bohners und ſeine Miene von Aufrichtigkeit und Ueberzeugung bewirkten indeſſen, daß Bertin de Bellisle ihm Zutrauen ſchenkte.Habt Ihr, ſagte er zu dem Arbeiter, Hauch gewiß, ganz gewiß gehört, was Ihr mir ſagtet? Bedenkt es, ſehet wohl zu; denn triebe euch blos Habſucht an, eine ſo entſezliche Jabel zu er⸗ finden, ſo würdet Ihr euer unbeſonnenes Verfahren theuer be zahlen; mehr als Einer hat ſich auf eine ſolche Art ſchon die Thüre der Baſtille geöffnet

Sie mögen mich auf die Folterbank werfen laſſen und ich werde nicht anders ſprechen, verſezte der Bohner ſchnell;ich hörte, was ich hinter⸗ brachte. Behalten Sie mich hier, bis Sie Gewißheit haben; lch verbürge von Herzen gern mein Leben für die Wahrheit meiner Worte.

Das iſt genug, ich glaube euch, ich werde euch mit mlt nach Verſall⸗ les nehmen.

Eine Stunde nachher kam der Herr von Belllsle in der königlichen Re ſidenz an und gelangte auf der Treppe vom Oeil-de-Boeuf in die kleinen Gemächer, um durch ſelne Anweſenheit den Verdacht derjenigen nicht zu we ken, hinter deren böſes Geheimniß er kommen wollte. N

Er hatte mit Ludwig XV. eine lange Unterhaltung. Gegen acht Uhr, in dem Augenblik erſt, als der König in den Traktaten-Saal zu gehen im Begriff war, um die Huldigungen des Hofes und der fremden Botſchafter zu empfangen, verfügte er ſich in einen anſtoßenden Saal, in welchem ſich der Bohner unter Aufſicht von zwei Wächtern des Obergerichts bereits befand.

Ludwig XV. ſezte ſich mit heiterem Geſicht auf den im Hintergrunde des Saales ſtehenden Prunkſtuhl; vor ihm ſtand der prächtige runde Moſalk-Tiſch, den Ludwig der Große ehemals von der Republik Venedig erhalten, und der an dieſem Tage die Beſtimmung hatte, die von der königlichen Famille, den Großofftzieren des Hauſes und den Mitgliedern des diplomatiſchen Korps über reichten ſchönen Bouquete zu empfangen. Ludwig ſchien gar nicht unrubig zu ſein, er wechſelte ſelbſt von Zeit zu Zeit freundliche Blike mit der Frau von Pompadour, und ſtreichelte mit der Hand ſelnen Lieblingshühnerhund, den er auf ein Tabouret zu ſeinen Füßen hatte legen laſſen.

Die Feierlichkeit nahm ihren Anfang: der König nahm, wie jedes Jahr, die ihm dargereichten Bouquete, eins noch dem andern an. Als wenn er mit dem Hühnerbunde ſpielen wolle, deſſen unmanierliche Liebkeſungen ihm Ver gnügen zu mache lenen, hielt er jeden Blumenſtrauß dem Hunde vor die Naſe, und legte ihn hierauf auf den Moſaiktiſch.

Die Mitglieder des diplomatiſchen Korps hatten Sr. Mafeſtät ihre Hul digung zuerſt dargebracht, nach ihnen kam die königliche Familie, die jenen bei dieſer Gelegenheit höflich den Vorrang gelaſſen hatte. Beim erſten der von derſelben überreichten Vouquete, ſiel der Hühnerhund todt zu Boden. Frau von Vompadour erblaßte, ein Schrei wollte eben ihrer Bruſt entglelten. Es iſt nichts, ſagte Ludwig leiſe,thun Sie ſich Zwang an und bedeken Sie mit den Falten Ihres Kleides den Leichnam dieſes armen Thieres: es