Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
81
 
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Kunst, Eleganz und Mode. Vebulec Saßegæueg.

11. Mittwoch, 8. Februar. 1837.

Das Blumenbouquet. Von Horaz Raiſſon.

Den Tag vor dem Sankt Ludwigs-Feſte des Jahres 1758, kam eln ar⸗ mer Handarbeiter, ein Bohner, keuchend in das Hotel des Polizeilieutenants zu Paris, und verlangte den Veamten zu ſprechen. Es war aber gerade ein Uhr, die damalige Tiſchzeit, und die Dienerſchaft, an welche ſich der Mann wandte, wagte es nicht, den Herrn von Bellisle, eines Arbeiters halber, zu ſtören. Er beſtand indeß nachdrüklich darauf; man lachte ihm in's Geſicht; er bat flehentlich; man hieß ihn gehen; er wurde heftig und ſuchte die Anmel dung zu erzwingen; man faßte ihn nun bei der Schulter und wollte ihn eben aus der Thüre werfen, als er ſchrie:Weiſet mich nicht ab! Ich will den Herrn von Bellisle ſprechen! das Leben des Königs ſteht auf dem Spiele! Bei dieſem Ausruf hielt die Dienerſchaft inne, und ein Gefreiter, betroffen von dem Tone von Aufrichtigkeit und Wahrheit des braven Mannes, unter richtete den Polizeilieutenant von dem dringenden Verlangen des Boͤhners, der nun ſogleich in das Kabinet geführt wurde, wo der Beamte ihn mit einer ausforſchenden ſtrengen Miene empfing. 8

Dieſer Menſch hatte, während er in ſeinem ſchweren Berufe in einem Haus arbeitete, durch eine ſchlecht verwahrte Scheidewand zwei Perſonen vom Hofe ſprechen hören. Der häufig genannte Name des Königs hatte ihn auf merkſam gemacht; er hatte ſein Ohr an die Wand gelegt, und die Worte, die er vernommen, waren von der größten Wichtigkeit. Unter den VBouqueten, welche denſelben Abend noch dem Könige auf Veranlaſſung ſeines Feſtes über reicht werden ſollten, wollte man vorher eines bereiten, deſſen Blumen in ein dermaßen feines Gift getaucht würden, daß, wenn der König daran röche, er todt niederſinken müſſe. Im Beſize dieſes furchtbaren Geheimniſſes hatte der Bohner ſeine Arbeit unvollendet gelaſſen, und war, ſo wie er war, in ſeinem