Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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rend dieſes Spazirganges bemerkte der junge P. eine Lelter an bleſer Mauer und beſchloß ſogleich, ſich derſelben als Rettungsmittel zu bedienen. Nach el⸗ ner Stunde hießen jene beide Herren, außer denen man Niemand in dem ge⸗ beimnißvollen Hauſe bemerkte, die Kinder zurükkehren, gaben ihnen zu eſſen und erlaubten ihnen zu ſchlafen.

Der junge P. und ſeine beiden Freunde ſchloſſen, wie man wohl glau⸗ ben wird, kein Auge und warteten mit Ungeduld auf die Stunde ihrer Be freiung. Als es endlich 11m Uhr ſchlug, ſtanden ſie leiſe auf und ſchlichen aus ihrer Kammer hinaus. Sie befanden ſich da auf einem Gange, welcher nach dem Garten zu ſah, deſſen Bäume ſie durch das Fenſter erkennen konnten. Alle Thüren waren verſchloſſen; ſie beſchloſſen alſo, behutſam ein Fenſter zu öffnen; durch dieſe ſchmale Oeffnung kroch einer nach dem andern, und ſie ge⸗ langten in den Garten hinab, ohne dle Aufmerkſamkeit ihrer Kerkermeiſter erregt zu haben. Sie liefen nun nach dem Punkte hin, wo ſie die Leiter be⸗ merkt hatten, aber leider! ſtand dieſe nicht mehr an der Mauer, ſondern lag am Boden und es koſtete den drel Knaben große Anſtrengung, ſie von neuem aufzurichten. Endlich gelang es, ſie ſtiegen auf die Mauer hinauf und ſpran⸗ gen auf der andern Seite hinunter, ohne die Gefahr zu berechnen. Sie be⸗ fanden ſich nun auf einem einſamen Wege zwiſchen Waſſergraben, und in ih⸗ rer Freude, wieder frei zu ſein, eilten ſie in der erſten beſten Richtung hin, ohne ſich ſelbſt um einander weiter zu kümmern. Der junge P. lief mehrere Stunden, ohne zu wiſſen, wo er ſei; erſt gegen 3 Uhr früh orientirte er ſich wieder und kam in die Wohnung ſeiner Eltern zurük.

Wir wiſſen in dieſem Augenblike nicht, ob wir eine wahre Geſchichte oder ein Mährchen ſchreiben; ſo viel aber iſt gewiß, daß der junge P. Alles ſo erzählt hat. Angenommen, die Sache ſei wahr, wie ſich kaum anders glau ben läßt, ſo fragt ſich, welchen Zwek haben die Männer, Kinder ſo zu ent⸗ führen und an einem unbekannten Orte einzuſchließen? Machen ſte mit dieſen jugendlichen Körpern wiſſenſchaftliche Verſuche oder haben ſie einen andern Ve weggrund? Soviel iſt gewiß, daß ſeit einiger Zeit in Lyon und der Um⸗ gegend viele Kinder verſchwunden ſind. An dem Tage, an welchem der junge P. verſchwand, erhielt die Familie deſſelben einen anonymen Brief, worin man ſie aufforderte, unbeſorgt zu ſein, der Knabe habe ein Bein gebrochen, ſei aber in guten Händen und werde den Eltern zurükgegeben werden, ſobald er wieder hergeſtellt ſei. Dieſer Brief iſt dem königl. Prokurator übergeben worden, der ohne Zweifel die nöthigen Schritte thun wird, um die Wahrheit, welche ſchreklich ſein kann, an den Tag zu bringen.

Wir werden unſere Leſer von dem Fortgange dieſer Geſchichte unterrich ten, wenn ſie einen Fortgang hat. Wie derFanal ſagt, ſpricht ganz Lyon von der Sache. 5

Ansichten. Urtheile. Begebnisse.

Rorre onden!. und Induſtrie-Zweige immer mehr aus⸗ ſy 5 breitet, durch Betriebſamkeit und Sach

Semlin(im Januar). Es muß kenntniſſe ſeinen innern Werth ſtei⸗ für jeden Vaterlandsfreund höchſt er-gert und wie Kunſt und Literatur ei⸗ freulich ſein, wenn er wahrnimmt, wie nen fruchtbaren Boden finden, nicht das geſegnete Ungarn ſeine Handels- nur in der Hauptſtadt Budapeſth,