Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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rem Ende das Treibholz des Stromes in Menge ſich geſammelt hatte. Colter ſchwamm unter dieſen Haufen von Baumſtämmen und tauchte nicht eher wieder in die Höhe, bis er eine offene Stelle entdekte, über welcher die verſchlunge⸗

nen Zweige eine Art von Bedachung bildeten, ſo daß er hier verſtekt blei ben konnte.

Aber bald hörte er das wüt hende Geſchrei der Indianer am Ufer. Er ſah durch das Laubwerk, welches ihn bedekte, wie ſie ins Waſſer plumpten und auf die Holzmaſſen losſchwammen. Hier ſuchten ſie ihn lange Zeit, und der Eine kam ſogar in ſeinen Schlupfwinkel. Als aber Colter den Wilden herannahen ſah, tauchte er langſam unter, und kam nicht eher wieder in die Höhe, als bis der läſtige Gaſt ſich entfernt hatte. Endlich räumten die India ner dieſe Gegend und ſchlugen eine andere Richtung ein. Colter beſorgte an⸗ fangs, ſie würden vielleicht wiederkehren und, in der Hoffnung, ihn doch noch hier zu finden, an das Treibholz Feuer legen. Glüklicherweiſe kamen ſie nicht auf dieſe Idee.

Als endlich die Nacht hereingebrochen war, faßte Colter den Muth, eine bedeutende Streke den Strom hinabzuſchwimmen. Dann ſtieg er ans Ufer und marſchirte mit ſchnellen Schritten weiter, bis der öſtliche Himmel ſich röthete. Am nächſten Morgen kam er ganz erſchöpft und ausgehungert zu einer Jäger⸗ Station, wo man ihm allen nöthigen Beiſtand leiſtete.

(Mag. f. d. Lit. d. Auslandes.)

Das Kinderfeſt in Mexiko.

In Mexiko findet bisweilen öffentlich oder doch wenigſtens halböffentlich ein hübſches Kinderfeſt, beſonders für kleine Mädchen der wohlhabenden Stän de, ſtatt, das jamaica heißt. Ein neuer Reiſender ſah eins dergleichen im Vorhofe des ſonſtigen Iturbide'ſchen Palaſtes. Unter den Säulenhallen deſſel ben waren 50 bis 60 kleine elegante Buden aufgeſchlagen und mit allerlei Verkaufsartikeln, Zukerwerk, Früchten, Bändern, Handſchuhen und kleinen Galanteriewaaren mancher Art ausgeſtattet. In dieſen Buden ſaßen als Ver käuferinen beinahe zweihundert kleine Mädchen von 4 bis 12 Jahren, ſehr damenhaft anfgepuzt und familienweiſe geordnet. Alle männlichen Bekannten der Häuſer verfehlten nicht, hinzukommen und die Rolle der Käufer zu über⸗ nehmen; die Mütter und ältern Schweſtern fehlten natürlich auch nicht. Die kleinen Verkäuferinen ſahen allerliebſt aus mit ihrer komiſchen Verufswichtig⸗ keit und ihrem kindiſch-altklugem Geplauder. Die Käufer gingen ebenfalls mit Gefälligkeit und Luſt in ihre Rollen ein. Die mexikaniſchen kleinen Maͤd⸗ chens dieſes Alters ſind die naipſten, freimüthigſten und doch zugleich wohlge zogenſten Kinder, die man ſehen kann, und die weibliche Erziehung läßt in dieſem Punkte nichts zu wünſchen übrig. Sie iſt übrigens ziemlich ſtreng; das neun- oder zehnjährige Mädchen, das im Salon der Mutter ſich bereits als vollſtändig gepuzte Modedame benimmt und die Honneurs des Hauſes mitmacht, bekommt doch für etwa dabei begangene Fehler Abends in der Kin derſtube zuverläſſig noch die Ruthe.