75
Sprache, aber er hörte bald auf, um ſelnen Studien kelne Zeit zu entziehen. Vor ungefähr 14 Jabren trug man ihm von Seiten der Reglerung auf, in einer großen Bibliothek, die Werke in den verſchiedenſten Sprachen enthielt, ſämmtliche Büchertitel zu überſezen, die verſchiedenen Sprachen anzugeben, und die Werke in die betreffenden Kategorien einzutragen, für welche wichtige Ar— beit ihm ein jährliches Honorar von 1800 Franken ausgeſezt wurde, weil man der Meinung war, dieſe Arbeit würde mehrere Jahre erfordern. Mandely übernahm den Auftrag, aber bei ſeinen philologiſchen Kenntniſſen und eiſer— nem Fleiße war er mit der Arbeit ſchon in einem Monat fertig. Mandely ließ ſich ſeinen Monatgehalt auszahlen und blieb aus. Als man ihn fragte, warum er ſeine Anſtellung aufgegeben habe, erwiderte er: ich habe keine Anſtellung mehr, denn die Arbeit iſt fertig. Zum Beweiſe der Erkenntlichkeit räumte man ihm ein kleines Zimmer ein. Er ließ nichts druken. Seine Bibliothek war klein, beſtand aber aus wichtigen lund ſeltenen Werken. Seine hinterlaſſe⸗ nen Manuſkripte ſind ſchwer zu entziffern. ö Ry.
Eine Menſchenjagd. Aus Waſhington Irving' s„Aſtoria.“
Zwei von jenen keken Abenteurern, die im Innern der Vereinigten Staa ten unermeßliche Streken weit über die entlegenſten Wohnpläze hinaus vor— drangen, um Pelzwerk und Felle zu erjagen— ſie hießen Colier und Potts— hatten mehrere Tage an einem Arme des Miſſouri verweilt, welcher„Jeffer— ſohn's Gabel“ genannt wird. Eines Morgens fuhren ſie in ihrer Pirogue ein Flüßchen hinauf, das in jene„Gabel“ ſich ergießt, und an deſſen Mündung ſie am Abend vorher ihre Fangneze ausgeſpannt hatten. Der Fluß war in ſehr hohe Felſenufer eingeengt, ſo daß man zu beiden Seiten kelne Durchſicht hatte.
Beide Jäger ruderten ungeſtört vorwärts, als Colter plözlich ein ſtarkes Geräuſch zu hören glaubte. Sogleich rief er:„Das ſind Indianer!“ und bat ſeinen Kameraden, aus allen Kräften zurük zu rudern, um zu entfliehen. Potts ſprach ſcherzend:„Du läßt dir wohl von einer Büffelheerde Furcht einjagen?“ Aber ſchon nach wenigen Augenbliken erhob ſich ein unmenſchliches Gebrüll, und mehrere hundert Wilde erſchienen am Ufer. Sie winkten den Jägern, ans Land zu kommen, und dieſe mußten gehorchen. Ehe ſie noch aus der Pirogue waren, bemeiſterte ſich ein Wilder der Jagdflinte Colter's und trug ſie davon. Potts ſprang ans Land, entrieß dem Indianer die Flinte, gab ſie ſeinem Ka⸗ meraden zurük, ſtieg dann ſelbſt wieder in die Pirogue und ſtieß vom Ufer ab. In demſelben Moment börte man eine Bogenſehne ſchwirren und dann einen Pfeil ziſchen. Potts ſchrie, er ſei verwundet. Colter beſchwor ihn, ans Land zu ſteigen und ſich zu ergeben, indem ſonſt keine Ausſicht auf Rettung ſei; aber Potts wußte, daß er kein Erbarmen zu hoffen hatte, und woll te daher ſein Leben theuer verkaufen. Er ſchoß ſeine Flinte ab und ſtrekte einen der Wilden todt nieder. Vald darauf ſtürzte er ſelbſt, von Pfeilen durchbohrt.
Die Rache der Wilden kehrte ſich jezt gegen Colter, den ſie für's Erſte auskleideten. Da er einige Kenntniß von ihrer Sprache hatte, ſo verſtand er, daß ſie unter einander zu Rathe gingen, wie ſie ihn auf recht ergözllche Weiſe


