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Socletaͤt ernannt; dem ungarlſchen Sonderling Mandel y wlderfuhr dieſe Ehre nicht); er wußte die meiſten lebenden und ausgeſtorbenen gelehrten Sprachen Europa's und Aſiens 9), namentlich franzöſiſch, deutſch, engliſch, italieniſch, ſpaniſch, die ſlawiſchen Sprachen, magyariſch, sriechiſch, latelniſch, bebrälſch, arabiſch, perſiſch, indoſtaniſch(auch Sanskrit), chineſiſch u. ſ. w., ſeine Lieb⸗ lingſprachen waren jedoch die lateiniſche, griechiſche, ſlawiſche, hebrälſche, ara⸗ biſche und perſiſche, aus welchen er ſich durch Vermiſchung eine eigene gelehrte Sprache gebildet hatte, aus welcher er oft, wenn er franzs ſiſch ſprach, ein zelne Wörter einmiſchte, und nur wenn er merkte, daß man ihn nicht verſtan⸗ den habe, erklärte er ſolche Phraſen ganz franzöſiſch, mit dem Zuſaz: wie Ihr es zu nennen pflegt. Aber Mandely war nicht nur ein großer Philolog, ſondern auch ein Mathematiker(ſelbſt in der Taktik war er bewandert), Hiſto— riker, Juriſt, Theolog, kurz eln in unſerer Zeit ſeltener Volyhiſtor. In der Philoſophie war Plato ſein Orakel; dieſen wußte er beinahe auswendig und zitirte ihn oft in ſeinen gelehrten Geſprächen. Im praktiſchen Leben nahm er ſich aber nicht den eleganten Plato, ſondern den Cyniker Diogenes zum Mu⸗ ſter. Seine Garderobe beſtand aus einem alten Soldatencok, den er wahr⸗ ſcheinlich bei einem Trödler gekauft hatte, und einem Paar alten Ueberſchu— hen. Als ihm einſt ein gelehrter Freund gute Kleidungsſtüke aufgedrungen hatte(denn er war ſehr ſchwer zu bewegen, Geſchenke anzunehmen), verkaufte er ſie an einen Trödler und kaufte ſich Bücher dafür. Er trug einen langen Bart, der ſchon halbgrau war, und ihm Aehnlichkeit mit einem griechiſchen Philoſophen verſchaffte. Er nährte ſich von Kommisbrod, welches er an den Kaſernenthoren kaufte, und welchem er manchmal einige rohe Kräuter oder Wurzeln beifügte; gekochte Speiſen aß er nie in Paris. Er heizte ſich nit ein. Sein Hausgeräthe beſtand aus einem hölzernen Armſtuhle, aus einem Schemel, einem rohen Tiſch von Zimmermannsarbeit, einem kleinen Schranke, worin er ſeine Bücher und Schriften aufbewahrte, einem Brett mit einem Strohſak, worauf er ſchlief, einem Dintenfaß, das aus einem zerbrochenen Glaſe beſtand, einem Scherben, der zu einer Lampe diente, zwei Waſſerkrü⸗ gen, und einer Schiefertafel, auf welcher er vor züglich mathematiſche Berech— nungen anſtellte, um an Papier zu ſparen. Als ihn einſt die Polizei auf el— nen ungegründeten Verdacht ins Gefängniß ſchikte, machte er ſich nichts dar— aus, da er einige Bücher mitgenommen hatte und darin ſeine Studien und Meditationen fortſezte, und er ſchien es ungern zu verlaſſen, als durch die Bemühungen ſeiner gelebrten Freunde ſeine Unſchuld an den Tag kam. Er lebte von einer jährlichen Rente von 154 Franken, und behauptete davon jährlich eine bedeutende Summe zurükzulegen, und er kaufte in der That vor einigen Jahren ein ſeltenes Manuſkript für 400 Franken von ſeinen Erſpar—⸗ niſſen.— Mandely hätte bei ſeiner gründlichen, vielſeitigen Gelehrſamkeit eine öffentliche Anſtellung erhalten, oder ſich durch Privatunterricht und Schrift⸗ ſtellerei bedeutende Einkünfte erwerben können, allein er wollte dies nicht, um unabhängig ſein und ganz ſeinen Studien leben zu können. Er gab zwar eine Zeit lang Privatunterricht in dee Mathematik und in der arabiſchen
) Mandely rühmte ſich ſelbſt, er könnte von jedem Punkte Europa's eine Reiſe nach China unternehmen, ohne eines Dolmetſchers zu bedürfen.


