Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
68
 
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Helene mußte den Sarg öffnen. Die Mönche beteten und ſangen. Con⸗ tarini zog ſeiner Gattin den Schleier vom Antliz und verhüllte mit demſel⸗ ben Luigis Geſicht. Dann band der Doge noch ſeine Füße zuſammen, legte ihm ein Kruzifir auf die Bruſt und nachdem dies geſcheben, lispelte er zu ſeiner Gemahlin:Noch einen edlen Dienſt Sennora! Helfen Sie mir gütigſt Luigis Leichnam in den Sarg legen. Das Entſezen über dieſen Auftrag raubte Helenen für den Augenblik den freien Gebrauch der Sprache. Der Doge aber ſagte leiſe zu ihr:Wenn Sie ſich nicht fügen, oder er ſich nur regt, ſo ſtirbt er und Sie mit ihm!

Die Mönche beteten und ſangen fort. Mit Thränen in 900 Augen that der Doge das Nämliche. Schon wollte Helene ſprechen aber ein fürchterli⸗ cher Seitenblik des teufliſchen Dogen brachte ſie zur Faſſung. Vernichtet, mehr Maſchine, legte ſie den Geliebten in den Sarg. Die Trauerlieder hall⸗ ten fort. Der Doge ſchloß den Sarg. Man warf das mit Silber geſtikte Lei⸗ chentuch über die Bahre. Zehn Mönche trugen darauf den Sarg in die Gruft hinab. Ein fürchterlicher Angſtruf, ein durchdringender Schrei ſchrekt die Um⸗ ſtehenden auf; er war aus dem Sarge gekommen. Der Doge wollte nichts ge hört haben. Nun wurde der Sarg eilig mit Erde überſchüttet; Luigi war jezt wirklich todt. Vom nachbarlichen Grabe wurde noch in demſelben Au- genblike das Monument auf Luigis Stätte gezerrt; wozu die Kraft aller Anweſenden auslangte. Nun war die Gränzlinie zwiſchen Leben und Tod ge zogen, kein Rüktritt für Louis in Helenens Hoffen. 1

Langſam verließ der Zug dieſen Ort der Ruhe, nur der Doge blieb zu rük, dann verſperrte er die Gruft und nahm die Schlüſſel davon zu ſich. Am Ausgange derſelben ſtieß er auf einen Leichnahm todt lag am Boden die Do⸗ gareſſa, ein Dolch Luigis neben ihr.

Ansichten. Urtheile Vegehn ige

ſogenannten Volkspoſſen, die in drelßig Jahren ſpurlos verſchwunden ſein wer den, gegen den geſunden Menſchenver ſtand, gegen die Natur u. Wahrheit, die wirkliche harmloſe Laune und den

Theater.

Peſth(31. Jan.). Ueber die Repriſe:dreißig Jahre aus d. Leben

eines Spielers, die am 28., zur Ve⸗ nefize der Dem. Tuffner, ſtattfand, waltete ein Mißgeſchik, und die ganze Vorſtellung war eine minder gelunge ne. Viel gerundeter ging Tags dar auf die allerliebſte komiſche Oper: Weiberkur in die Szene, welche mit gleicher Friſche und mit gleicher dra⸗ ſtiſcher Würze unterhielt, wie vor drei ßig Jahren. Was ſigd unſere neuern

kernigen Scherz, wie dies Alles ſo üp⸗ pig in dieſem Produkte wuchert und nie altern wird! Die Darſtellung war ziemlich gelungen. Hr. Rott gab den Schuſter recht drollig u. markig. Die Damen Walter u. Segatta entwikelten ein ſehr wirkungsvolles Spiel. Die Erſtere war beſonders allerliebſt und legte ein recht preiswürdiges Schau⸗ ſpielertalent an den Tag. Hr. Gäde